a-t 1995; Nr.6: 59-60

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BEHANDLUNG GENITALER CHLAMYDIEN-INFEKTIONEN

Chlamydia trachomatis ist das in Industrieländern am häufigsten sexuell übertragene Bakterium.1 Bei jedem zehnten bis zwanzigsten jungen, sexuell aktiven Erwachsenen lassen sich die Keime nachweisen. Mit über 300.000 Infektionen pro Jahr rechnet man hierzulande.2

KLINISCHES BILD: Chlamydien-Infektionen verlaufen typischerweise chronisch-schleichend. Wegen fehlender oder geringer Krankheitszeichen kommt die Diagnose häufig spät, oder die Infektion bleibt unentdeckt.2

Bei Männern verursachen die Serotypen D bis K des sich obligat intrazellulär vermehrenden Bakteriums bis zu 50% aller akuten nicht-gonorrhoischen Harnröhrenentzündungen, die mit schmerzhaftem Wasserlassen und Ausfluß aus der Urethra einhergehen können, und mindestens ein Drittel aller akuten Nebenhodenentzündungen.3 Bei Frauen löst die aufsteigende Infektion Entzündungen des Gebärmutterhalses, des Endometriums sowie der Eileiter aus.4 Infekt-Arthritiden bei Männern und Frauen können auf C.-trachomatis-Infektionen zurückgehen.3

Frauen stecken sich bei ungeschütztem Verkehr mit einem infizierten Partner leichter an als Männer (40%iges vs. 20%iges Risiko). Die Infektion verläuft bei Frauen häufiger asymptomatisch (bis 75% vs. 20%), sie tragen aber ein höheres Risiko schwerwiegender Folgeschäden.5 Eileiterentzündungen können Sterilität oder eine Extrauterin-Schwangerschaft nach sich ziehen. Nach einer durchgemachten Infektion sind über 10% der Betroffenen unfruchtbar, nach drei Infektionsepisoden mehr als die Hälfte.

DIAGNOSE: Der Enzym-Immunoassay deckt den Keim im infizierten Urethra- bzw. Zervixabstrich zu 80% bis 90% auf.6 Empfindlicher, aber aufwendiger sind Fluoreszenztest oder Kultur.6,4

SCREENING: Neugeborene infizierter Mütter können sich unter der Geburt anstecken, mit der häufigen Folge von Einschlußkonjunktivitis oder Pneumonie.6 Ein Screening möglichst aller schwangeren Frauen auf Chlamydienantigen wird daher empfohlen.2 In Schweden ließ sich die Infektionshäufigkeit seit Einführung eines umfassenden allgemeinen Screening-Programms in den frühen 80er Jahren halbieren.6

BEHANDLUNG: Mittel der Wahl ist Doxycyclin (VIBRAMYCIN u.a.): zweimal 100 mg täglich für mindestens sieben4 bis zehn2 Tage (vgl. a-t 2 [1994], 19). Alternativ können zweimal täglich 500 mg Erythromycin (ERYTHROCIN u.a.) eingenommen werden. Das Makrolid eignet sich auch für Schwangere und Stillende.6 Bei Erythromycin-Unverträglichkeit kommt in der Schwangerschaft auch Amoxicillin (AMOXYPEN u.a.; täglich dreimal 500 mg) in Betracht.7 Chronische Erkrankungen mit Entzündung der Adnexe, Nebenhoden u.a. sollen 20 Tage lang behandelt werden. Die Infekt-Arthritis kann eine bis zu dreimonatige Therapie erfordern.2

Hohe Gewebespiegel und eine Eliminationshalbwertszeit aus den Geweben von zwei bis vier Tagen kennzeichnen das neuere Makrolid Azithromycin (ZITHROMAX).8,9 Eine Einmaldosis von 1 g wirkt im kontrollierten Vergleich ebenso gut wie das siebentägige Doxycyclin-Regime gegen Chlamydien-Urethritis und -Zervizitis.9 Dem Vorteil der einfacheren Einnahme stehen die bis zu vierfach höheren Kosten gegenüber (vgl. Kasten).

Es empfiehlt sich, Sexualpartner ebenfalls zu untersuchen und ggf. zu behandeln.

FAZIT: Genitale Chlamydia-trachomatis-Infektionen gehören zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Die chronisch-schleichend verlaufenden Infektionen werden oft spät oder gar nicht erkannt. Doxycyclin (VIBRAMYCIN u.a.) gilt als Mittel der Wahl. Bei Unverträglichkeit oder in Schwangerschaft und Stillzeit kommt Erythromycin (ERYTHROCIN u.a.) in Betracht. Das Makrolid Azithromycin (ZITHROMAX) ermöglicht bei unkomplizierter Chlamydien-Infektion eine – allerdings teurere – Einmaldosis-Behandlung.


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