a-t 2011; 42: 24

Datei als PDF

IMPFUNG GEGEN SCHWEINEGRIPPE
(PANDEMRIX) UND NARKOLEPSIE

In Finnland sind in den Jahren 2009/10 60 Kinder und Jugendliche an Narkolepsie erkrankt.1 Das sind deutlich mehr als in den Jahren zuvor (2007: 7, 2008: 16).2 52 (fast 90%) wurden zuvor mit der Wirkverstärker-haltigen Schweinegrippevakzine PANDEMRIX geimpft, 8 nicht. Auf der Basis umfangreicher Registerdaten errechnet die finnische Gesundheitsbehörde für geimpfte 4- bis 19-Jährige ein neunfach erhöhtes Risiko für die Schlafattacken (etwa 1 Narkolepsie pro 12.000 Impfungen)3 im Vergleich zu Nichtgeimpften der gleichen Altersgruppe. Die Symptome setzen meist etwa zwei Monate nach der Impfung ein. Vor allem 5- bis 15-Jährige sind betroffen. Für Kinder unter vier Jahren und über 19-Jährige ergeben sich keine Hinweise auf eine Gefährdung.1 Alle 22 bislang getesteten Kinder mit Narkolepsie nach Impfung haben den (HLA) DQB1*0602 Genotyp, der sich bei fast allen Narkolepsiepatienten findet.3

Die Behörde hatte bereits im August 2010 die Impfung wegen erster Verdachtsberichte zu Narkolepsie ausgesetzt (a-t 2010; 41: 100). Jetzt hält sie einen Zusammenhang mit PANDEMRIX für "wahrscheinlich": "Die beobachtete Assoziation ist so offensichtlich, dass es unwahrscheinlich ist, dass andere Einflussfaktoren das Phänomen komplett erklären könnten."1

In Finnland wurde 2009/10 aggressiv für das Vorsorgeprogramm geworben. 2,5 Millionen Einwohner wurden mit PANDEMRIX geimpft, also fast jeder zweite Finne.4,5 Auffällig häufig werden Narkolepsien auch aus Schweden berichtet sowie aus Island,6 wo Schlafattacken allerdings auch in unerwartetem Maße bei nicht geimpften Kindern und Teenagern aufgetreten sind.1 In Deutschland überblickt das Paul-Ehrlich-Institut 8 Verdachtsberichte zu Narkolepsie nach Impfung mit PANDEMRIX, 7 bei Kindern und Jugendlichen, 1 bei einer 26-jährigen Frau.7 Dem Hersteller GlaxoSmithKline sind insgesamt 162 Berichte zugegangen (davon 70% aus Finnland und Schweden) - bei weltweit 31 Millionen verbrauchten Dosierungen.8

Eine multinationale Untersuchung läuft. Mit abschließender Bewertung der finnischen Daten wird Ende August dieses Jahres gerechnet.1 Für andere Impfstoffe liegen keine auffälligen Verdachtsberichte vor. Die in dieser Saison angebotenen wirkverstärkerfreien trivalenten Grippeimpfstoffe, die auch Antigen gegen Schweinegrippe, A-(H1N1)v-2009, einschließen (a-t 2010; 41: 81-2 und 106), sind von den Bedenken nicht betroffen.3

 
1 National Institute for Health and Welfare: Pressemitteilung vom 1. Febr. 2011
http://www.thl.fi/en_US/web/en/pressrelease?id=24103
2 The Swedish Wire: Swine flu vaccine causes child narcolepsy, 1. Febr. 2011
3 WHO: Statement on narcolepsy and vaccination, 8. Febr. 2011
http://www.who.int/vaccine_safety/topics/influenza/pandemic/ h1n1_safety_assessing/narcolepsy_february2011/en/index.html
4 Yahoo! Health: Narcolepsy fears may halt swine flu vaccine: Finland, 24. Aug. 2010
5 Associated Press: Finland - link between swine flu shot, narcolepsy, 1. Febr. 2011
6 WHO: Vaccines and immunization, Pressemitteilung vom 1. Febr. 2011
http://www.euro.who.int/en/what-we-do/health-topics/disease-prevention/vaccines-and-immunization/news/news/2012/02/pandemrix-vaccine-and-increased-risk-of-narcolepsy#
7 Paul-Ehrlich-Institut: Nachgemeldete Fälle von Narkolepsie in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung mit PANDEMRIX, 1. Febr. 2011;
zu finden über http://www.pei.de -> Ärzte und Apotheker
8 GlaxoSmithKline (Großbritannien): Pressemitteilung vom 1. Febr. 2011;
http://www.gsk.com/media/pressreleases/2011/2011_pressrelease_10020.htm
© 2011 arznei-telegramm