a-t 2014; 45: 16

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METHYLPHENIDAT (RITALIN, GENERIKA):
FDA WARNT VOR PRIAPISMUS

Das Psychostimulanz Methylphenidat (RITALIN, Generika), das zur Therapie des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) angeboten wird, steht seit Jahren im Verdacht, Priapismus hervorzurufen (a-t 2006; 37: 75-6). Die lang anhaltenden Erektionen sind oft schmerzhaft und treten meist ohne sexuelle Stimulation auf. Diese können über eine Korpusfibrose zur dauerhaften Schädigung der erektilen Funktion führen und gelten deshalb als urologischer Notfall.1,2

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnt jetzt vor der Schadwirkung und lässt sie in die Produktinformationen von Methylphenidat aufnehmen.2 In deutschen Fachinformationen fehlt dieser Hinweis, laut BfArM ist eine Änderung zurzeit nicht vorgesehen.3 Die FDA überblickt Berichte von 15 Patienten, die in den vergangenen 16 Jahren unter der Einnahme von Methylphenidat Priapismus entwickelt haben. Einige werden hospitalisiert, zwei benötigen eine chirurgische Intervention. Indikationsbedingt sind vor allem Kinder und Jugendliche betroffen, der Jüngste ist acht Jahre alt.2 Die Störwirkung tritt bei manchen nach Dosiserhöhung auf, bei anderen dagegen in Therapiepausen, bei verlängertem Einnahmeintervall oder nach Absetzen des Präparates. Bisweilen bessert sich die Symptomatik, wenn Methylphenidat wieder eingenommen wird. Möglicherweise sind Patienten, die unretardiertes Methylphenidat einnehmen, wegen der kürzeren Halbwertszeit häufiger betroffen.2 Der Pathomechanismus der Schadwirkung unter dem Wirkstoff ist nicht bekannt. Diskutiert wird ein Zusammenhang mit der Wirkweise von Methylphenidat, das sowohl zentrale dopaminerge als auch periphere sympathische Nervenzellen beeinflussen soll.4,5 Die Störwirkung ist nach Einschätzung der FDA selten.2 Mit einer relevanten Dunkelziffer ist unseres Erachtens jedoch zu rechnen: Schamgefühl oder Unwissenheit können dazu führen, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen die unerwünschte Wirkung verschweigen. Um dauerhafte Schäden zu vermeiden, sollen Ärzte über die mögliche Komplikation aufklären und so die behandelten Jungen und ihre Eltern für das Thema sensibilisieren.2

Auch unter dem ADHS-Mittel Atomoxetin (STRATTERA) kommt Priapismus vor,6 möglicherweise häufiger als unter Methylphenidat.2 Vier Verdachtsberichte liegen der FDA zudem für Amphetamin-haltige ADHS-Mittel vor.2 Diese Präparate sind daher bei Auftreten von Priapismus unter Methylphenidat keine sichere Alternative, –Red.

1 HALLS, J.E. et al.: Br. J. Radiol. 2012; 85: S79-S85
2 FDA Drug Safety Communication vom 17. Dez. 2013
http://www.a-turl.de/?k=rein
3 BfArM: Schreiben vom 7. Jan. 2014
4 KELLY, B.D. et al.: J. Pediatr. Urol. 2013; 9: e1-e2
5 ÇAKIN-MEMIK, N. et al.: Turk. J. Pediatr. 2010; 52: 430-4
6 Lilly: Fachinformation STRATTERA, Stand Mai 2013 ??
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