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arznei-telegramm 2002; 33: 106



Korrespondenz
 
 
KOLLOIDALES SILBER STATT ANTIBIOTIKA?

Ein Patient drückte uns eine Produktinformation zu kolloidalem Silber in die Hände mit dem besonderen Hinweis, dass es ein völlig nebenwirkungsfreies, gut wirksames Antibiotikaersatzmittel sei. Es hatte ja eine Marktzulassung vor 1938.

Wie ist die Datenlage zum kolloidalen Silber? Was wissen Sie über dessen Wirksamkeit? Welche Studien existieren hierzu?

Dr. med. S. WILD (Facharzt für Allgemeinmedizin)
D-78333 Stockach
Interessenkonflikt: Keiner

Zubereitungen mit kolloidalem Silber enthalten Silberpartikel von wenigen tausendstel Millimetern. Sie werden nicht als Arzneimittel, sondern als Nahrungsergänzungsmittel und meist als Tropfen oder Tabletten angeboten. Nach Untersuchungen der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA überschreitet der tatsächliche Silbergehalt in einigen Produkten die angegebenen Mengen um bis zu 24% (1).

Nach den zahlreichen Interneteinträgen sollen die Mittel nicht nur gegen virale, bakterielle oder parasitäre Infektionen wirken, sondern selbst bei lebensbedrohlichen Erkrankungen wie AIDS oder Krebs. Die Versprechungen – die für Nahrungsergänzungen unzulässig sind – lassen sich mangels Daten nicht nachprüfen (vgl. a-t 2001; 32: 49-50). Wir finden keine randomisierte klinische Studie zur Wirksamkeit von kolloidalem Silber.

Dem unbelegten Nutzen stehen bei längerfristiger oraler Einnahme erhebliche Risiken entgegen. Am bekanntesten ist Argyrie, eine irreversible schiefergraue Verfärbung von Haut und Schleimhäuten durch Einlagerung von Silbersalzen. Geschmacksstörung, Geruchsempfindlichkeit sowie zerebrale Krampfanfälle sind beschrieben (2,3). Nach Ergebnissen einer epidemiologischen Studie ist eine erhöhte Missbildungsrate bei Neugeborenen durch Silberaufnahme der Mutter während der Schwangerschaft nicht auszuschließen (4).

Wegen beträchtlicher Risiken und unbelegten Nutzens raten wir von der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit kolloidalem Silber ab. Herstellerangaben, die die angeblich unbedenkliche Anwendung sogar für Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder propagieren, sind unverantwortlich, –Red.



 

1

BARRET, S., Quackwatch; Colloidal Silver: "Risk without Benefit"
http://www.quackwatch.org/01QuackeryRelatedTopics/PhonyAds/silverad.html

 

2

FUNG, M.C., BOWEN, D.L.: Clinical Toxicology 1996; 34: 119-26

 

3

OHBO, Y. et al.: Psychiatry Clin. Neurosci. 1996; 50: 89-90

 

4

ASCHENGRAU, A. et al.: Arch. Environ. Health 1993; 48: 105-13



© arznei-telegramm 10/02