-
Startseite
-
a-t-Inhaltsverzeichnis
   aktuelles a-t
   Archiv
-
a-t-Volltextsuche
für Nichtabonnenten
-
Bereich für Abonnenten
   blitz-a-t
   e a-t
   a-t-Volltextregister
   NETZWERK-UAW
   Leserpost
-
atd Arzneimitteldatenbank
-
Glossar
-
a-t englisch  
-
Bestellungen
   arznei-telegramm
   Geschenkabo
   Bücher, CD,
   Sammelmappen
   atd
   Arzneimitteldatenbank
   Mitteilung
   an den Vertrieb
-
Wir über uns
-
Impressum
-
Datenschutz
-
 
arznei-telegramm 2005; 36: 32

Nebenwirkungen 
 
* KREBS DURCHPIMECROLIMUS (ELIDEL U.A.) UND TACROLIMUS (PROTOPIC)?

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA erwägt, künftig mit einem besonders hervorgehobenen Warnhinweis ("black box") auf ein mögliches Krebsrisiko der Neurodermitis (atopische Dermatitis)-Externa Pimecrolimus (DOUGLAN, ELIDEL; a-t 2004; 35: 42-3) und Tacrolimus (PROTOPIC; a-t 2002; 33: 50-1) bei Kindern aufmerksam zu machen. Unterstützung erhält die Behörde dabei von einem sie beratenden externen Expertengremium, das die Maßnahme nahezu einstimmig befürwortet (1,2).

Hintergrund sind eine steigende Zahl von Berichten über Krebs in Verbindung mit den beiden Immunsuppressiva sowie neue tierexperimentelle Daten (1). Derzeit liegen der Behörde 19 Meldungen zu Krebs unter örtlicher Anwendung von Tacrolimus vor sowie 10 entsprechende Berichte zu Pimecrolimus, darunter Lymphome und Hauttumoren (3,4).

Bei oraler oder parenteraler Anwendung von Immunsuppressiva einschließlich des in der Transplantationsmedizin verwendeten Tacrolimus (PROGRAF) ist eine Zunahme von Krebserkrankungen bekannt, vor allem von Lymphomen. Pimecrolimus ist bislang ausschließlich als Externum erhältlich. Unter einer derzeit erprobten oralen Zubereitung werden jedoch im Tierversuch ebenfalls Lymphome beobachtet, und zwar unter allen geprüften Dosierungen. Eine perorale Dosis, bei der kein Effekt auftritt (no effect level), lässt sich nicht angeben. Mitarbeiter der FDA beurteilen die immunsuppressiven Effekte beider Externa bei Tieren, die sich vorzugsweise im Auftreten von Lymphomen manifestieren, als überzeugend und gleichsinnig ("strong, consistent and compelling"). Die Lymphomentwicklung steigt demnach mit der kumulativen Dosis (1). Während die Hersteller darauf verweisen, dass eine erhöhte Rate an Lymphomen unter der Anwendung von Pimecrolimus und Tacrolimus im Vergleich zur Gesamtbevölkerung nicht belegt sei (5,6), hält die FDA einen deutlichen Warnhinweis im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes für geboten, da bis zu einer definitiven Klärung der möglichen Kanzerogenität auch für den Menschen Jahre vergehen können (1).

Sowohl Pimecrolimus als auch Tacrolimus haben in den USA lediglich Reservestatus. Insgesamt steigende Verordnungszahlen und zunehmender Gebrauch bei Kindern einschließlich Kleinkindern unter zwei Jahren, für die die beiden Externa nicht zugelassen sind, weisen jedoch auf eine wesentlich breitere Verwendung hin. Dies wird von der FDA auf die aggressive Vermarktung zurückgeführt. Das mögliche Krebsrisiko gefährdet aber vor allem Kinder, bei denen nach örtlicher Anwendung der Immunsuppressiva häufiger messbare Blutspiegel gefunden werden als bei Erwachsenen. Für systemische immunsuppressive Effekte spricht auch, dass in klinischen Studien bei Kindern eine erhöhte Inzidenz bestimmter Infektionen im Vergleich zur Cremegrundlage dokumentiert ist (1).

Hierzulande darf Pimecrolimus ohne Einschränkung bei Kindern ab zwei Jahren verwendet werden, während Tacrolimus wie in den USA lediglich Reservestatus hat. Vor allem Pimecrolimus wird entgegen den Vorgaben des Heilmittelwerbegesetzes wiederholt direkt bei Laien beworben (a-t 2004; 35: 91-2) und die Anwendung bei Säuglingen auf Internetseiten des ELIDEL-Herstellers Novartis (7), im Fernsehen (8) bzw. durch den deutschen Neurodermitis Bund (9) propagiert. Dem steht ein dürftig dokumentierter Nutzen gegenüber: Der klinische Bedarf für Pimecrolimus sei angesichts des Fehlens entscheidender Vergleichsstudien unklar, lautet das Fazit einer aktuellen, methodisch sorgfältigen Metaanalyse (10). Für beide Externa fehlen zudem Belege für einen langfristigen Sicherheitsvorteil gegenüber topischen Steroiden (10).

Wir fordern Reservestatus für beide Immunsuppressiva, Beschränkung auf ausschließlich kurzfristige Anwendung sowie einen deutlichen Warnhinweis auf das mögliche Krebsrisiko. Ein Verbot des Gebrauchs bei Kindern ist zu erwägen, -Red.


 

 

(M = Metaanalyse)

 

1

TEMECK, J., Division of Pediatric Drug Development: http://www.fda.gov/ohrms/dockets/ac/05/briefing/2005-4089b2_01_02_DPDD%20Consult.pdf

 

2

Scrip 2005; Nr. 3030: 19

 

3

FDA: Alert for Healthcare Professionals zu Pimecrolimus vom 14. Febr. 2005, http://www.fda.gov/cder/drug/InfoSheets/HCP/ElidelHCP.pdf

 

4

FDA: Alert for Healthcare Professionals zu Tacrolimus vom 14. Febr. 2005, http://www.fda.gov/cder/drug/InfoSheets/HCP/ProtopicHCP.pdf

 

5

Novartis: undatierte Stellungnahme

 

6

Fujisawa: Schreiben vom 23. Febr. 2005

 

7

Novartis: http://www.kortisonfrei.de, Zugriff vom 5. Nov. 2004

 

8

RBB: Quivive vom 29. Sept. 2004>

 

9

Deutscher Neurodermitis Bund: http://www.rette-deine-haut.de/therapie.html, Zugriff vom 5. Nov. 2004

M

10

ASHCROFT, D.A. et al.: BMJ 2005; 330: 516

 

*

Vorversion am 16. Februar 2005 als blitz-a-t veröffentlicht.



© arznei-telegramm 03/05