LEVACETYLMETHADOL (ORLAAM) VOR DEM AUS

Wegen nicht vorhersehbarer, schwerer Kardiotoxizität wie Herzrhythmusstörungen bis Torsades de pointes und Herzstillstand soll der Methadon (METHADICT)-Variante Levacetylmethadol (ORLAAM) auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMEA vom 19. April 2001 die Zulassung entzogen werden. Die EMEA sieht für Levacetylmethadol keine Indikation mehr, in der ein therapeutischer Nutzen das Arrhythmierisiko aufwiegen würde.

Bereits seit Dezember 2000 dürfen keine Patienten mehr neu auf das Mittel eingestellt werden. Wir hatten auf Grund der negativen Nutzen-Risiko-Bilanz die Marktrücknahme gefordert (a-t 2001; 32: 28). Levacetylmethadol verlängert das QT-Intervall im EKG. Seit Zulassung in der EU im Juli 1997 sind zehn Fälle schwerer Rhythmusstörungen bekannt geworden. Zwar kann auch Methadon QT-Verlängerungen hervorrufen. Klinisch bedeutsame kardiale Ereignisse sind in den USA und Frankreich unter Hochdosis zur Schmerzbehandlung bekannt geworden. Bei den üblichen zur Opioidsubstitution verwendeten Dosierungen scheint das QT-verlängernde Potenzial von Methadon jedoch keine klinische Bedeutung zu haben.

Patienten, die mit Levacetylmethadol behandelt werden, sollen auf ein anderes Opioidersatzmittel, z.B. Methadon, umgestellt werden. Methadon darf dabei nicht früher als 48 Stunden nach der letzten Einnahme von Levacetylmethadol angewendet werden. Die initiale Tagesdosis soll 80% der letzten Levacetylmethadol-Dosis betragen und kann anschliessend, falls erforderlich, in Schritten von täglich 5 mg bis 10 mg auf- oder abdosiert werden.

Alternativ zur Umstellung auf Methadon kann ORLAAM auch ersatzlos abgesetzt werden. Die Behandlung mit dem langwirksamen Methadonderivat (Halbwertszeit 3-5 Tage) kann dabei abrupt beendet werden oder auch durch Dosisreduktion von 5% bis 10% pro Woche (1). Der Hersteller will die verordnenden Ärzte über die Apotheken informieren.

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EMEA Public Statement on ORLAAM (Levacetylmethadol), 19. April 2001, http://www.emea.eu.int/pdfs/human/press/pus/877601en.pdf



© Redaktion arznei-telegramm
blitz-a-t 20. April 2001