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Korrespondenz

PARALLELEN ZWISCHEN L-TRYPTOPHAN UND HYDROXY-TRYPTOPHAN (LEVOTHYM)?

Wegen des Auftretens eines "Eosinophilen Myalgie-Syndromes" im Zusammenhang mit der Einnahme von L-Tryptophan-Präparaten hat das Bundesgesundheitsamt das Ruhen der Zulassung für diese Präparate angeordnet.

LEVOTHYM ist von diesen Maßnahmen nicht betroffen. Über ein "Eosinophiles Myalgie-Syndrom" ist uns seit Einführung von LEVOTHYM auf dem deutschen Markt im Jahre 1980 in keinem Fall berichtet worden.

Oxitriptan (Synonym: L-5-Hydroxytryptophan), der Wirkstoff von LEVOTHYM, unterliegt einem anderen Stoffwechsel im Körper. Oxitriptan wird als direkte Vorstufe von Serotonin im Stoffwechsel nahezu vollständig in Serotonin überführt, während nur ca. 3% des aufgenommenen L-Tryptophans in Serotonin umgewandelt werden, d.h. ca. 97% des resorbierten L-Tryptophans gehen einen anderen Stoffwechselweg.

Das erklärt auch den großen Unterschied in den empfohlenen Tagesdosen: L-Tryptophan wurde bisher in Dosen bis zu 3 g/die und mehr bei Depressionen empfohlen. Die Dosierungsempfehlung für Oxitriptan bei den erwähnten Anwendungsgebieten liegt dagegen bei maximal 300 mg (= 3 Kapseln LEVOTHYM).

Auch in der großtechnischen Gewinnung der Wirksubstanzen gibt es deutliche Unterschiede. Im Gegensatz zu L-Tryptophan ist Oxitriptan rein pflanzlichen Ursprungs, es wird durch ethanolische Extraktion und Umkristallisation aus den Samen der afrikanischen Pflanze Griffonia Simplicifolia in reinster Form gewonnen...

Dr. MÜNZNER, Dr. SGONINA (Promonta GmbH)
D-2000 Hamburg 26

Den LEVOTHYM-Wirkstoff L-Hydroxy-Tryptophan gibt es außer in der Bundesrepublik nur in wenigen europäischen Ländern als Arzneimittel (z.B. in Österreich, der Schweiz und in Italien), da die zweifelhaften Wirksamkeitsbelege in Ländern mit qualifizierter behördlicher Wirksamkeitsüberprüfung die Zulassung als Arzneimittel verhindern. Mangels hinreichender Nebenwirkungsüberwachung lassen sich gegenwärtig keine Aussagen zum Gefahrenpotential dieser Serotoninvorstufe treffen. Der Verweis des pharmazeutischen Anbieters auf andere Stoffwechselvorgänge und geringere Dosen im Vergleich zu L-Tryptophan vermag in Anbetracht der Umstände - L-Tryptophan befand sich seit 1976 unangefochten und in großer Menge verbraucht auf dem deutschen Markt - nicht zu überzeugen (ati d).

© 1990 arznei-telegramm

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