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ZUM STANDORT VON ACE-HEMMERN

... In der letzten Zeit haben wir bei schwersten therapierefraktären Hypertonien auch mit Erfolg die ACE-Hemmer Enalapril (PRES, XANEF u.a.) und Captopril (LOPIRIN, TENSOBON) verwendet. Als einzige Nebenwirkungen, die wir gesehen haben, registrierten wir eine Magen-Darm- Unverträglichkeit und zweimal therapierefraktären Husten. Insgesamt haben wir das Gefühl, daß diese ACE-Hemmer auch bei schwerer Herzinsuffizienz segensreich sind. Aufgrund Ihres alarm-telegramm sind wir jetzt verunsichert und möchten Ihnen folgende Fragen stellen:

1. Sind bei der heutigen Dosierung der ACE-Hemmer immer noch die Warnhinweise gerechtfertigt?
2. Sind in der letzten Zeit mehrere Nebenwirkungen unter der o.g. Dosierung aufgetreten?
3. Kann man, so wie auch im Deutschen Ärzteblatt zitiert ("Die Begleitkrankheit bestimmt das Hochdruckmedikament".), die ACE-Hemmer bei Stoffwechselstörung z.B. Diabetes, Hyperlipidämie und Hypertonie besser einsetzen als andere Antihypertonika? ...Haben Sie Einwendungen gegen die Aufnahme von ACE-Hemmern in die erste Stufe des Hochdruckschemas ?
4. Welche ACE-Hemmer sind vorzuziehen ?

Dr. med. U. HEIDELBERGER
Dr. med. R. SCHMITT
D-7524 Östringen-Odenheim

1. Auch bei den heute verwendeten niedrigeren ACE-Hemmer-Dosen sind die Warnhinweise gerechtfertigt (zuletzt in a-t 1 [1990], 8). ACE-Hemmer führen neben Gyrasehemmern immer noch die Liste der Meldungen über unerwünschte Wirkungen an. Durch die reduzierte Dosierung sind Schäden des Knochenmarks und Nierenversagen seltener geworden. Andererseits haben bislang übersehene immunallergische Störwirkungen (Fieber, Hepatitis, Neuropathie und Angioödem) zugenommen.

2. Auch bei der heute empfohlenen niedrigeren Dosierung werden diese Störwirkungen beobachtet.

3. Entgegen den neueren Empfehlungen der Hochdruckliga sind ACE-Hemmer u.E. immer noch als Reservetherapeutika zu betrachten (vgl. a-t 9 [1989], 81), wenn die Behandlung mit Diuretika, Betablockern und/oder Kalziumantagonisten ohne Erfolg geblieben ist. Das Profil der unerwünschten Wirkungen von Diuretika, Betablockern und/oder Kalziumantagonisten erscheint deutlich günstiger als das der ACE-Hemmer.

Im Gegensatz zur Hypertoniebehandlung scheint die frühe Verwendung von ACE-Hemmern bei Herzinsuffizienz therapeutisch begründbar. Die durch ACE-Hemmer mögliche Absenkung der Nachlast ohne negative Effekte auf die Vorlast bedeutet eine eindeutige Bereicherung der Therapie für Patienten mit Herzinsuffizienz im Stadium IV NYHA.

4. Unter den ACE-Hemmern scheint Captopril günstiger als Enalapril oder Lisinopril zu sein, da seine Wirkdauer kürzer und damit besser titrierbar ist. Das übliche Risiko der überschießenden Wirkung mit bedenklicher Absenkung des Blutdrucks unter das Versorgungserfordernis etwa bei arteriosklerotischen Gefäßveränderungen läßt sich dadurch offensichtlich besser vermeiden. Wie in den meisten Therapiegebieten sind auch bei der Hochdruckbehandlung Arzneimittel mit langer Wirkdauer bedenklich und hinsichtlich der Komplikationen mitunter deletär (–Red.).

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