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KELTICAN-STUDIE OHNE DESIGN

In unserer Klinik wird schon länger KELTICAN per os neben den üblichen Antiphlogistika eingesetzt. Kürzlich wurde nun eine i.v. applizierbare Form des KELTICAN als klinische Studie von der Firma Trommsdorff angeboten und ein Preisgeld von ca. 150,- bis 250,- DM per zehn Infusionen (also RINGER + 2 Amp. KELTICAN) und dokumentierter Verträglichkeitsprüfung angeboten.
Ich selbst bin nach dem CRONASSIAL-Debakel (a-t 10 [1988], 88, 8 [1989], 76) äußerst mißtrauisch gegenüber bestimmten klinischen Studien, die eine Wirksamkeit jetzt auch von KELTICAN nachgewiesen haben wollen.
Was halten Sie von der i.v. applizierbaren Form und der klinischen Prüfung ohne Design?

Dr. med. N. N.
D-3320 Salzgitter

KELTICAN, ein angebliches Spezifikum für traumatische und metabolische Nervenschädigung, enthält ein Gemisch aus Nukleotiden und Vitamin B12. Da der Körper Nukleotide selbst in nicht limitierter Menge synthetisieren kann, existieren für die Stoffe – ausgenommen von einigen extrem seltenen Stoffwechselerkrankungen – keine Mangelzustände. Vitamin B12 ist nur bei Mangelzuständen wirksam: Eine Indikation für die Behandlung von Lumbo-Ischialgien läßt sich für keinen der Inhaltsstoffe von KELTICAN begründen – auch wohl nicht durch die vom pharmazeutischen Anbieter bemühten Standardwerke der Biochemie.

Reichen die Indikationsangaben des Herstellers von Myopathien und Neuritiden über Bandscheibenoperationen bis zum Herpes zoster, weil das Präparat noch immer auf der Suche nach einer Indikation ist? Nichts davon halten wir für wissenschaftlich begründet oder begründbar.

Eine klinische Studie zu KELTICAN ohne Prüfplan und Design wäre unsinnig. Dient die genannte Honorierung faktisch dazu, daß der Hersteller beim Arzt Verordnungen "kauft"? Insgesamt sehen wir in dieser angeblichen Studie einen Bestechungsversuch zur Erschleichung von Verordnungen (–Red.).

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