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Im Blickpunkt

NACHTKERZENÖL (EFAMOL 500 U.A.)
GEGEN ATOPISCHES EKZEM

Öl des Samens der Nachtkerze (Oenothera biennis, auch bekannt als gelbe Rapunzel) wird als diätetisches Lebensmittel (EFAMOL 500 u.a.) gegen Mangelerscheinungen des Stoffwechsels an Cis-Linolsäure und Gamma-Linolensäure angeboten. Der "Stoffwechsel-Aktivator" soll vom Schulkind bis zum alternden Menschen Vitalität und Spannkraft fördern, vorzeitige Alterungserscheinungen verringern sowie Haut, Haare und Nägel verjüngen. Gegen prämenstruelles Syndrom fand sich in einer dreimonatigen Doppelblindstudie kein Unterschied zwischen Nachtkerzenöl und Plazebo.1

Das Öl wird auch zur Linderung der Symptome des atopischen Ekzems verwendet, das auf konventionelle Behandlung oft unzureichend anspricht. Seit Oktober 1990 steht erstmals Nachtkerzenöl als Arzneimittel (EPOGAM [Beiersdorf/Scotia]) "zur Behandlung und zur symptomatischen Erleichterung des atopischen Ekzems" zur Verfügung. Die Anwendung mag auf Heilungskonzepten beruhen, die von einem relativen Mangel an Gamma-Linolensäure bei Patienten mit atopischem Ekzem ausgehen.2

Nach einer statistischen Auswertung aus einem Forschungsinstitut des US-amerikanischen Nachtkerzenölvertreibers Scotia, in der publizierte und unveröffentlichte Studien zusammengefaßt wurden (Metaanalyse), soll Nachtkerzenöl Juckreiz für bis zu drei Monate nach Absetzen der Behandlung lindern. Vier der fünf veröffentlichten Studien deuten auf einen nur mäßigen therapeutischen Nutzen. Lediglich der Einfluß auf rauhe Haut erscheint zuverlässig belegt. Die Studien können sonst nicht überzeugen:2,3 In keiner Untersuchung wurde die Dosis gleichzeitig eingenommener Antihistaminika bei Patienten verglichen, die Nachtkerzenöl oder Plazebo einnahmen. Die Wirkstärke gleichzeitig verwendeter topischer Kortikosteroide wurde meist nicht kontrolliert. Zur Beurteilung der zuvor nicht veröffentlichten Daten fehlen nähere Angaben, so daß die Metaanalyse nicht nachvollziehbar ist.2

Vergleichende Studien mit konventionellen Behandlungsformen des atopischen Ekzems fehlen. Eine Langzeitanwendung von Kortikoid-Externa oder sedierend wirkenden Antihistaminika zur Linderung des Juckreizes soll jedoch vermieden werden.2

Gelegentlich werden in Verbindung mit Nachtkerzenöl-Präparaten unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Magenverstimmung oder Kopfschmerzen beschrieben, jedoch keine schwerwiegenden Schäden.2

FAZIT: Gamma-Linolensäure-haltige Nachtkerzenöl-Präparate (EFAMOL 500, EPOGAM u.a.) haben allenfalls einen geringen Einfluß auf das atopische Ekzem. Unter der Einnahme von bis zu täglich 16 Kapseln wird die Haut zumindest weicher. Die Einstufung von EFAMOL 500 als Diätetikum trägt dem marginalen Nutzen Rechnung. Das mit 1,52 DM bis 3,80 DM für die vom Hersteller angegebene Tagesdosis von 3-6 Kapseln teure Nachtkerzenöl kann u. E. höchstens als psychologisch wünschenswerte Ergänzung zu bestehenden Therapieformen in Betracht gezogen werden.

1

KHOO, S. K. et al.: Med. J. Aust. 153 (1990), 189

2

Drug Ther. Bull. 28 (1990), 69

3

FUCHS, T.: intern. prax. 26 (1986), 400


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