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MISCHUNG VON BUTAZON UND KORTISON: EIN PROPAGIERTER KUNSTFEHLER

Fixkombinationen von Antirheumatika mit Kortikoiden wurden vor einigen Jahren vom BGA verboten. Leider wird dieses Verbot, insbesondere mit der Kombination AMBENE/DEXABENE, systematisch unterlaufen. Anscheinend "informiert" der Merckle-Außendienst die Ärzte entsprechend. Auch die Fachinformation von AMBENE weist ausdrücklich auf die Kompatibilität beider Injektionslösungen hin.

N.N. (Apotheker)

Seit Anfang 1985 sind Kortikoid-Butazon-Fixkombinationen außer Handel, da solche Mischungen auch bei kurzzeitiger Anwendung durch synergistische Wirkungen Magenschleimhautgeschwüre und Ulkusperforationen auslösen können (vgl. a-t 1 [1985], 8). Der Versuch der Merckle GmbH, die Stufenplanmaßnahme des Amtes zur Risikoabwehr in Anzeigenkampagnen für die freie Kombination von AMBENE N und DEXABENE zu unterlaufen, führte zum Verbot dieser Anzeigenwerbung durch den zuständigen Regierungspräsidenten Tübingen. Wir halten den Hinweis in der Fachinformation von AMBENE N "Kompatibel sind ... AMBENE N Doppelampulle/Fertigspritze mit DEXABENE Injektionslösung ..." für eine bedenkliche Werbung für die laut BGA-Pressedienst vom 4. Februar 1985 "gefährliche Kombination von Rheumapräparaten".

Vor der Injektion solcher selbst hergestellten Mischungen aus Butazon und Kortikoid ist zu warnen. Im Schadenfall muß der Arzt seine Therapieentscheidung begründen, die den Intentionen der vom Amt verfügten Stufenplanmaßnahmen zuwiderläuft. Dies dürfte auf der Grundlage des rechtskräftigen BGA-Bescheids schwer-fallen. Die parenterale Gabe von Phenylbutazon ist unnötig riskant. Maximale Blutspiegel werden nach Einnahme per os schneller erreicht als nach intramuskulärer Gabe. Auch bei korrekter intramuskulärer Injektion von Butazonen und Mischungen mit Kortikoiden ist infolge direkter gewebsschädigender Effekte mit Nekrosen und massiven Gewebsdefekten mit Todesfolge zu rechnen (vgl. a-t 9 [1983], 84; –Red.).


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