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Mangelhafte Steuerbarkeit des Injektionshypnotikums Midazolam (DORMICUM) war vor Einführung bekannt – Mit dem Slogan " das neue, gut steuerbare Injektionshypnotikum i. v. und i. m." wurde DORMICUM Roche 1984 in Deutschland eingeführt (vgl. a-t 12 [1984], 96). Seither warnten wir wiederholt vor diesem Benzodiazepinderivat wegen der Gefahr tödlicher Zwischenfälle auch bei lege artis Injektion (a-t 5 [1985], 39; 9 [1986], 86; 12 [1986], 117; 5 [1987], 41; 7 [1987], 61, 62; 11 [1987], 102; 2 [1988], 23; 7 [1988], 67; 5 [1989], 53; 6 [1990], 52). Atemstillstand, Bradykardie, Herzstillstand, petechiale Gesichtsblutungen sowie therapierefraktären Blutdruckabfall erfaßten wir im NETZWERK DER GEGENSEITIGEN INFORMATION. Interne Dokumente von Hoffmann-La Roche offenbaren, daß das Schweizer Chemieunternehmen DORMICUM als zu hoch konzentrierte VALIUM-Kopie vermarkten ließ, um ein Nachfolgepräparat für das nicht mehr patentfähige VALIUM zu haben. In der Wirkstärke unterschied sich Midazolam von Diazepam um das 3 - 4fache. Um korrekt zu dosieren, war der Anästhesist mitunter gezwungen, 0,056 ml während 1 Minute zu injizieren, was faktisch unmöglich ist. Seit 1979 warnten Roche-Forscher in den USA das Baseler Stammhaus davor, wirtschaftliche über therapeutische Überlegungen zu stellen, da sonst Apnoe und kardiovaskuläre Schockreaktionen vorprogrammiert wären. Erst im Juli 1987 brachte die Firma eine niedriger konzentrierte Midazolamlösung in Verkehr und informierte 1987 in zwei Arztrundschreiben über die mögliche Überdosierung durch Midazolam (New York Times Newsservice, 4. Juli 1991). In der ambulanten Endoskopie bietet Midazolam gegenüber Diazepam keine Vorteile. Es besteht sogar ein erhöhtes Risiko der Überdosierung, wenn Midazolam nicht individuell titriert wird (LEWIS, B. S. et al.: Gastrointest. Endosc. 35 [1989], 33).


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