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Nachwirkungen

Hustendämpfer Noscapin (CAPVAL, LYOBEX, TUSSORETARD) potentiell embryotoxisch und tumorigen: Nach mehrjähriger Bedenkzeit (vgl. a-t 7 [1991], 61) warnt das Bundesgesundheitsamt vor der Einnahme des Hustendämpfers Noscapin in Schwangerschaft und Stillzeit. "Wegen der besonderen mutagenen Eigenschaften (Spindelgift) von Noscapin besteht die Möglichkeit einer verstärkten Gefährdung der Embryonal- und Fetalentwicklung." Langzeituntersuchungen zur Kanzerogenität fehlen. Nach den vorliegenden Daten schädigt Noscapin die Mitosespindel bereits in Konzentrationen, die bei therapeutischer Anwendung in Geweben wie Mundschleimhaut und oberem Gastrointestinaltrakt deutlich überschritten werden und induziert so in proliferierenden Zellen Polyploidien. Diese neigen in nachfolgenden Zellteilungen zu Chromosomenfehlverteilungen, in deren Folge fetale Fehlentwicklungen und Tumorbildung möglich sein könnten (Pharm. Ztg. 136 [1991], 6). Angesichts wirksamer Alternativen wie Kodein (CODICEPT, CODEINUM PHOSPHORICUM COMPRETTEN u.a.) halten wir Noscapin für entbehrlich. Die von uns befragten Hersteller wollen sich dem britischen Vorbild nicht anschließen und nehmen ihre Noscapin-haltigen Hustenmittel nicht freiwillig vom Markt. Pharma Selz, Hersteller von MACINO TUSS, plant "die Elimination des problematischen Wirkstoffes" aus dem Präparat (Schreiben der Pharma Selz GmbH vom 9. Sept. 1991; Red.).


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