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KOMPLIKATIONEN NACH FSME-IMPFUNG (FSME-IMMUN)

Innerhalb der letzten 2 Monate hat sich die Zahl der NETZWERK-Berichte zu FSME-IMMUN von 44 (vgl. a-t 6 [1991], 50) auf 58 erhöht. Etwa die Hälfte waren schwere Störwirkungen. Jede zweite beschriebene unerwünschte Wirkung betrifft das Nervensystem bzw. die Sinnesorgane.

Ein bislang stets gesunder, 37jähriger Forstwirt wurde auf Betreiben des Betriebsarztes aktiv gegen FSME geimpft. 10 Tage nach Impfung kam es zu einem Krankheitsbild mit Fieber bis 39 Grad, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Durchfällen. Das Zustandsbild wurde kurzfristig antibiotisch mit Penicillin G behandelt, Dosis und genaue Dauer der Penizillin-Gabe sind nicht bekannt. Die Beschwerden haben darauf relativ zügig sistiert, lediglich die Kopfschmerzen haben noch eine weitere Woche angehalten. Etwa 7 Wochen nach Impfung kam es zum Auftreten von Doppelbildern, wobei der konsultierte Augenarzt eine Abduzensläsion festgestellt hat. Die Doppelbildsymptomatik hat insgesamt 36 Stunden angehalten. Infektionen, EEG-Veränderungen, Hirngefäßanomalien oder Myasthenie konnten durch umfangreiche stationäre Diagnostik ausgeschlossen werden. Im Serum oder Liquor waren keine IgG- oder IgM-Antikörper gegen FSME nachweisbar...

Zusammenfassend haben wir diagnostisch eine passagere ungeklärte Abduzensläsion angenommen. Ein Zusammenhang zwischen der durchgeführten Impfung und der neurologischen Symptomatik ist nicht unmittelbar zu beweisen, immerhin aber möglich (NETZWERK-Fall 4901).

Dr. med. H. WILMSEN (Chefarzt, Arzt f. Neurologie),
St. Augustinus-Krankenhaus
W-5160 Düren 6


Eine Patientin mit Meningoenzephalitis nach FSME-IMMUN (NETZWERK-Fall 4915) teilt uns mit:



...Der Grund, weshalb ich selbst an Sie schreibe, ist, daß alle Ärzte, die mich behandelten, spätestens dann deutlich auf Distanz zu meiner Krankheit gingen, wenn der Zusammenhang mit der FSME-Impfung deutlich wurde. So wurde mir die Bitte um bestimmte Untersuchungen abgeschlagen oder die Meldung an bestimmte Institutionen abgelehnt...

NN (Name und Anschrift der Redaktion bekannt)

Ein Internist berichtet uns über eine Polyneuropathie des N. radialis der rechten Hand mit "Gefühlstörungen, daß teilweise Gegenstände wegfallen" (NETZWERK-Fall 4887). Er hatte den Eindruck, daß der Hersteller eine Polyneuropathie, die auf FSME-IMMUN zurückzuführen ist, nicht akzeptiert. Auf schriftliche Anfrage teilte ihm der Hersteller telefonisch mit, daß es für eine Polyneuropathie sowieso keine Therapie gäbe, der Hersteller nicht bereit sei, sich telefonisch über mehrere hundert Kilometer dazu zu äußern und er zunächst genauere Angaben haben wolle.

Anhaltende Meldungen über Komplikationen nach FSME-Impfung unterstreichen die von uns mehrfach beschriebenen Risiken dieser Impfung. Wir raten zur sehr sorgfältigen Indikationsstellung und aufmerksamen Beobachtung von Komplikationen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die uns bislang in Verbindung mit FSME-IMMUN zugegangenen Berichte (–Red.).


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