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Risiko der Epilepsie nach Fieberkrämpfen: Nach Krankenhaus-bezogenen Studien besteht für Kinder mit schweren Fieberkrämpfen ein hohes Risiko (bis 40%), später an Epilepsie zu erkranken. Hingegen liegt in großen amerikanischen Bevölkerungsstudien ohne Selektion durch Krankenhausaufnahme die Inzidenz einer späteren Epilepsie nach Fieberkrämpfen lediglich bei 2% bis 3,5%. Dies bestätigt erneut eine groß angelegte Kohortenstudie, in der Daten von 14.000 Kindern ausgewertet wurden, die während einer Woche im April 1970 in Großbritannien zur Welt kamen. Nach 5 und 10 Jahren wurde anhand von Fragebögen und Krankenhausunterlagen nach Fieberkrämpfen geforscht, also nach Krampfanfällen mit Fieber ohne intrakranielle Infektion oder bekannte Ursache. Im Unterschied zu einfachen dauern komplexe Fieberkrämpfe länger als 15 Minuten oder sind durch fokale oder multiple Episoden, d.h. mehr als einen Krampfanfall pro Fieberperiode, gekennzeichnet. Von 382 Kindern mit Fieberkrampf ohne bekannte neurologische Ursache (2,7%) hatte jedes vierte (95) einen komplexen Fieberkrampf. 6 (6%) der 95 und nur 3 (1%) der 287 Kinder entwickelten später eine Epilepsie. Auffällig war das besondere Risiko des Auftretens einer Epilepsie nach komplexem Fieberanfall mit fokaler Ausprägung. Komplexe Fieberkrämpfe weisen möglicherweise auf eine vorbestehende Hirnerkrankung hin, die die Manifestation einer späteren partiellen Epilepsie verständlich macht. Bei 97% aller Kinder mit Fieberkrämpfen ist keine Epilepsie zu erwarten. Eine generelle Prophylaxe mit Antiepileptika dürfte das Erkrankungsrisiko wahrscheinlich nicht deutlich verringern (VERITY, C. M., J. GOLDING: Brit. med. J. 303 [1991], 1373).


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