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Analgetikum Parazetamol (BEN-U-RON u.a.) ein Mutagen? Seit 1988 liegen dem Bundesgesundheitsamt mehrere Studien vor, die auf eine mutagene Wirkung von Parazetamol (BEN-U-RON u.a.) in vitro und in vivo hinweisen. Eine von der pharmazeutischen Industrie veranlaßte Untersuchung an Probanden soll keine Chromosomenmutationen in peripheren Lymphozyten ergeben haben. Eine in-vivo-Kontrollstudie an Ratten zeigt laut BGA bei einer Hochdosis von 900 mg/kg eine "schwach positive" mutagene Wirkung (Erfassung von Mikrokernen im Knochenmark). Die deutsche Gesundheitsbehörde will nach Abstimmung mit den pharmazeutischen Unternehmern eine Stellungnahme zum "möglichen Risiko bei der therapeutischen Anwendung" erarbeiten (Bundesanzeiger 114 [1992], 5016). Es ist seit langem bekannt, daß Parazetamol in hohen Dosen hepatotoxisch wirkt, weil im Stoffwechsel intermediär ein toxischer und wahrscheinlich auch mutagener Metabolit, eine 1,4-Benzochinonsäure, gebildet wird. Bei der Anwendung therapeutischer Dosen Parazetamol wird dieser toxische Metabolit durch Glutathion abgefangen. Erst bei hohen Dosen, bei denen der Glutathion-Mechanismus überfordert wird, tritt eine Organschädigung ein. Da die in den bisherigen Untersuchungen gefundene mutagene Eigenschaft von Parazetamol mit diesem Typ der toxischen Reaktion kompatibel erscheint, erachten wir derzeit besondere Therapieumstellungen bei der Gabe von Parazetamol-Monopräparaten nicht für erforderlich (–Red.).


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