Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
arznei-telegramm®Die unabhängige Information zur Arzneitherapie.
Bestellen Sie ein Probeabo
vorheriger Artikela-t 1993; Nr.10: 97-8nächster Artikel
Neu auf dem Markt

MULTIPLE SKLEROSE:
HOFFNUNGEN AUF INTERFERON BETA-1B (BETASERON)?

In Deutschland leiden mindestens 120.000 Menschen an Multipler Sklerose (MS), darunter doppelt so viele Frauen wie Männer. Die Ursachen der wahrscheinlich autoimmunbedingten Nervenerkrankung liegen nach wie vor im dunkeln. Unter anderem soll Interferon gamma zur Entwicklung der Krankheitsschübe beitragen. Das jetzt in den USA zugelassene Interferon beta-1b (USA: BETASERON) hemmt die Bildung dieses Zytokins.1

WIRKSAMKEIT: Nach enttäuschenden Vorversuchen (vgl. a-t 1 [1990], 3) belegt jetzt eine multizentrische Doppelblindstudie an 372 Patienten mit leichter bis mäßiger, schubweise verlaufender MS, daß Interferon beta-1b Schwere und Häufigkeit neuer Schübe verringert. Patienten, die alle zwei Tage 8 Mio IE subkutan erhielten, erlitten durchschnittlich 0,84 Schübe pro Jahr – ein Drittel weniger als unter Plazebo (1,27 Exazerbationen/Jahr) und auch deutlich weniger als Personen mit reduzierter Interferondosis von 1,6 Mio IE alle zwei Tage (1,17 Schübe pro Jahr). 29% von 124 Personen der Hochdosisgruppe, aber nur 16% von 123 mit Plazebo erlitten keinen neuen Schub.1 Während in der Niedrigdosisgruppe die Zahl kernspintomographisch nachweisbarer MS-Herde um 1,1% und unter Plazebo um 17% zunahm, ging sie unter der hochdosierten Interferon-Behandlung um 6,2% zurück.2

Klinisch-neurologische Untersuchungen geben indes keinen Anhalt für Besserungen durch Interferon. Auch unter hochdosierter Behandlung mußten fast genauso viele Patienten eine Zunahme ihrer Behinderung in Kauf nehmen wie in den anderen Gruppen.1

STÖRWIRKUNGEN: Reaktionen an der Einstichstelle (85%) und grippeähnliche Beschwerden (76%) einschließlich Schüttelfrost (46%) und Muskelschmerzen (44%) sowie Menstruationsstörungen sind häufige Folge des Interferons.1,3,4 Blutbildungsstörungen, Transaminasenanstieg sowie Depression und Selbsttötungstendenzen kommen unter der Therapie vor.4

KOSTEN: Amerikanische Patienten müssen für BETASERON jährlich knapp 10.000 Dollar aufwenden. Angesichts der in Frage kommenden mehr als 100.000 Anwender beflügelte dies den Aktienkurs des Herstellers Schering bei Bekanntwerden der US-Zulassung zu einem Sprung von über 50 DM. Mit der EG-Zulassung ist 1995 zu rechnen.

FAZIT: Interferon beta-1b (USA: BETASERON) scheint bei Personen mit schubweise verlaufender Multipler Sklerose die Anzahl der Schübe im Vergleich zu Plazebo um etwa ein Drittel zu verringern. Bestehende Beschwerden oder Behinderungen werden nicht gebessert. Das nur auf der Basis einer Studie und bislang nur in den USA zugelassene Interferon kostet pro Patient und Jahr etwa 10.000 Dollar.5


© 1993 arznei-telegramm

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.

vorheriger Artikela-t 1993; Nr.10: 97-8nächster Artikel