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Nachwirkungen

Neues zum Migränemittel Sumatriptan (IMIGRAN): In a-t 8 (1993), 84 warnten wir vor gefährlichen Gefäßspasmen einschließlich Herzinfarkt und Halbseitenlähmung in Verbindung mit dem Migränemittel Sumatriptan (IMIGRAN).

Eine zuvor herz- und kreislaufgesunde 50jährige Patientin muß mit Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerz und verwaschener Sprache in eine Tiroler Klinik aufgenommen werden. Sie hat zuvor sechs Monate lang wegen häufiger Migräne zwei- bis dreimal pro Woche Sumatriptan eingenommen. In der Klinik stellt man eine arm- und gesichtsbetonte Halbseitenlähmung mit parietookzipitaler Herdsymptomatik ischämischer Genese ohne Hinweis auf Embolus, Gerinnungsstörungen oder Gefäßstenosen fest. Drei Tage nach Entlassung in gebessertem Zustand erleidet die Patientin einen Herzinfarkt mit tödlichem kardiogenen Schock (NETZWERK-Bericht 6739).

In der neuen deutschen IMIGRAN-Fachinformation lesen wir: "Als Folge eines Vasospasmus kommen Arrhythmie, Ischämie und Myokardinfarkt in Frage...". Es folgen Hinweise auf Überempfindlichkeitsreaktionen "... bis zum Schock, der auch lebensbedrohlich sein kann". Den Ereignissen können kurzzeitiger "Blutdruckanstieg" sowie eine "Erhöhung des peripheren Gefäßwiderstandes" vorausgehen. "Die erste Anwendung darf nur unter ärztlicher Überwachung erfolgen." Ein Hinweis darauf, daß "Ischämie" auch das Zentralnervensystem mit Hirndurchblutungsstörungen und invalidisierendem Schlaganfall sowie die Körperperipherie betrifft, fehlt. Wer haftet im Schadensfall für das Aufklärungsdefizit durch unterlassene Risikohinweise – der pharmazeutische Unternehmer, der verordnende Arzt oder das Bundesgesundheitsamt?


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