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Atropinartige Vergiftung nach Stechapfel-Mißbrauch: Kraut und Samen des an Wegrändern und auf Schuttplätzen wachsenden Stechapfels (Datura stramonium) waren im Mittelalter wahrscheinlich Bestandteil von "Hexensalben". Halluzinatorische Effekte – die Vorstellung, fliegen zu können – beflügeln anscheinend den Mißbrauch des giftigen, anticholinerg wirkenden Nachtschattengewächses, das Atropin und verwandte Tropa-Alkaloide enthält. Drei 15- bis 16jährige vergifteten sich mit in der Apotheke gekauftem Stechapfelkraut ("Asthma-Tee für den Opa"), das sie in der siebenfachen angegebenen Dosis als Tee zubereiteten. Einer erlitt einen Krampfanfall und verlor das Bewußtsein, die beiden anderen reagierten mit Halluzinationen bzw. zunehmender Desorientiertheit. Das ebenfalls anticholinerg wirkende Haloperidol (HALDOL) i.v. verschlimmerte die Symptomatik, während das spezifische Antidot Physostigmin (ANTICHOLIUM) i.v. Mydriasis und die übrigen Beschwerden schlagartig besserte (PFAB, R. et al.: Notarzt 10 [1994], 12 / ati d). Halluzinatorische Wirkungen gaben schon immer Anlaß zum Experimentieren mit atropinartigen Substanzen (Probierdroge). Jedoch folgt daraus meist kein abhängiger Mißbrauch, weil für die Halluzinationen Amnesie eintritt und sie deshalb nicht mitgeteilt werden können. Das galt in den 70er Jahren besonders für die "Asthma-Zigaretten". Unberechenbarkeit der Dosis und hohe Toxizität stehen der Anwendung von Stechapfelzubereitungen bei Asthma entgegen (Pharm. Ztg. 136 [1991], 2730 / ati d).


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