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Späte Unverträglichkeiten unter nichtionischem Kontrastmittel: Nichtionische Kontrastmittel besitzen anscheinend spezifische Risiken in Form von Spätreaktionen, die möglicherweise auf verzögerter Jodfreisetzung beruhen. Es handelt sich dabei überwiegend um Hauterscheinungen, die 12 bis 24 Stunden, zum Teil auch erst zwei bis drei Tage nach Kontrastmittel-Anwendung auftreten. Bedrohliche Verläufe kommen vor (McCULLOUGH, M. et al.: Br. J. Radiol. 62 [1989], 260): Neben zwei unerwünschten Effekten wenige Minuten nach Infusion des nichtionischen Kontrastmittels Iotrolan (ISOVIST) mit Juckreiz und Luftnot bzw. Parästhesien am ganzen Körper (NETZWERK-Berichte 7891, 7893) beschreibt ein Urologe aus dem Hamburger Raum Spätreaktionen 24 Stunden nach Ausscheidungs-Urographie mit ISOVIST. Am Tage nach der Untersuchung wacht eine 42jährige Frau mit Urtikaria, Lidödem, Halsödem, fleckigem Hautausschlag und Luftnot auf. Die bedrohlichen Störwirkungen bessern sich nach intravenöser Gabe von Dexamethason (FORTECORTIN u.a.) und Clemastin (TAVEGIL) (Bericht 7890). Eine 45jährige Patientin klagt 24 Stunden nach Infusion des nichtionischen Kontrastmittels über Schwindel und generalisiertes feinfleckiges Hautexanthem sowie Juckreiz (7892). Auf einem Urologentreffen im März dieses Jahres in Hannover hätten sieben weitere Kollegen über etwa 20 Patienten mit Spätreaktion auf nichtionische Kontrastmittel berichtet. Die nach ionischen und nichtionischen Kontrastmitteln etwa gleichhäufigen lebensbedrohlichen Reaktionen (a-t 2 [1995], 10) treten innerhalb von 30 bis 60 Minuten auf und lassen sich wegen der noch gegebenen ärztlichen Überwachung meist gezielt behandeln. Spätfolgen bergen besondere Gefährdung, wenn die ärztliche Obhut nicht mehr gegeben ist. Es erscheint bei nichtionischen Kontrastmitteln notwendig, die Patienten auf die Möglichkeit verzögerter Unverträglichkeiten aufmerksam zu machen und die potentiellen Symptome zu erläutern.


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