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Abhängig von Schlafmittel Zolpidem (BIKALM, STILNOX): Ein Internist aus dem Kölner Raum berichtet über eine 57jährige, die nach monatelanger Einnahme des Hypnotikums Zolpidem (BIKALM, STILNOX) von Zittern, Unruhe und Nervosität geplagt wird. Erneute Anwendung bessert die Beschwerden. Eigenmächtig verdreifacht sie die Dosis (NETZWERK-Bericht 8194). Eine 42jährige Hausfrau entwickelt innerhalb weniger Wochen typische Zeichen einer Arzneimittelabhängigkeit mit Wirkverlust, Dosissteigerung von 10 mg auf 50 mg, Vorratsbeschaffung und körperlichen Entzugssymptomen (7501). Ein Steinsetzer aus Ostfriesland nimmt Zolpidem, da ihn abendliche Kopfschmerzen am Schlafen hindern. Nach einigen Monaten benötigt er zunehmend mehr Tabletten. Läßt er das Mittel weg, verspürt er Beklemmungen, wird zittrig und schwitzt stark. Nachts quälen ihn Alpträume, tagsüber Vergeßlichkeit. Entzugssymptome während eines stationären Aufenthalts erfordern neben einer Krampfprophylaxe mit Phenytoin (ZENTROPIL u.a.) Neuroleptika und Clonidin (CATAPRESAN u.a.; Bericht 7181). Das chemisch nicht mit Benzodiazepinen oder anderen Schlafmitteln verwandte Zolpidem nimmt drei Jahre nach Markteinführung bereits Rang 4 (STILNOX) und Rang 9 (BIKALM) unter den meistverordneten Schlaf- und Beruhigungsmitteln ein (SCHWABE, U., D. PAFFRATH [Hrsg.]: "Arzneiverordnungsreport '95", Fischer, Stuttgart [1995], S. 243). 1991 wirbt Byk Gulden: "...keine Hinweise auf Abhängigkeitsentwicklung. So gewöhnen sich BIKALM-Patienten an einen physiologischen Schlaf – und nicht an ein Schlafmittel" (Schreiben vom 28. Okt. 1991). Zwei Jahre später äußern Pharmakologen den Verdacht, daß Sucht und Abhängigkeit unter Zolpidem häufiger als bei kurzwirkenden Benzodiazepinen vorzukommen scheinen (MÜLLER, W.E.: Arzneiverord. i. d. Praxis 2 [1994], 8). Die Anbieter sehen indes allenfalls eine Gefährdung für "Patienten mit früherem Alkohol- oder Medikamentenmißbrauch oder psychiatrischen Störungen" (Fachinformation 5/96). Die dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und uns vorliegenden Berichte bestätigen diese Einschätzung nicht (BfArM: Fax vom 19. Juni 1996).


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