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ANTIRHEUMATIKUM MELOXICAM (MOBEC) –
Pseudoinnovation mit brüchigem Konzept

"Mehr Schutz für den Magen"1 verspricht die Thomae GmbH für das im Mai eingeführte Oxicam-Antirheumatikum Meloxicam (MOBEC). Die Zauberformel lautet: "Bevorzugte Cox-2-Hemmung".1

Das Schlüsselenzym des Prostaglandinaufbaus, die Cyclooxigenase (Cox), liegt in zwei Isoformen vor. Die in fast allen Geweben auffindbare Cox 1 vermittelt die Synthese regulatorischer, schützender Prostaglandine im Magen-Darm-Trakt und in den Nieren. Cox 2 wird durch Entzündung induziert. Die antiinflammatorische Wirkung von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) soll auf Hemmung der Cox 2, unerwünschte Folgen an Magen und Nieren auf Blockade der Cox 1 beruhen. In vitro wird ermittelt, wie stark die einzelnen NSAR auf die beiden Isoenzyme einwirken. Die Daten unterliegen je nach Methode einer hohen Schwankungsbreite.2 Ihre klinische Relevanz erscheint fraglich.3 Das ebenfalls besonders "Cox-2-selektive" Nabumeton (ARTHAXAN) verursacht in der Postmarketing-Überwachung in Großbritannien ähnlich häufig peptische Geschwüre wie Vergleichspräparate.4 Für das in zwei großen Fall-Kontroll-Studien5,6 magenverträglichste NSAR Ibuprofen (BRUFEN u.a.) wird eine 20fach geringere "Cox-2-Selektivität" 2 angegeben als für das in der Verträglichkeit auf Rang 2 plazierte Diclofenac (VOLTAREN u.a.).

In einem Supplementband zum Thema Meloxicam finden sich drei kontrollierte klinische Vergleichsstudien mit Meloxicam, an denen Firmenmitarbeiter beteiligt waren:7-9 Die mit einer Halbwertszeit von 20 Stunden langsam ausgeschiedene Neuerung wirkt in einer Dosierung von täglich 7,5 mg bei Hüft- und Kniearthrose gleich gut wie 100 mg Diclofenac-Retard (VOLTAREN RETARD u.a.), bei "ähnlicher Häufigkeit und Art" unerwünschter Effekte.7 Im halbjährigen Vergleich an Patienten mit rheumatoider Arthritis, bei dem täglich 7,5 mg Meloxicam bei gleich guter Wirksamkeit Magen-Darm-Trakt und Nieren seltener schädigen als 750 mg Naproxen (PROXEN u.a.),8 fehlen Angaben zur Altersverteilung. Beeinflussung der Ergebnisse durch fehlerhafte Randomisierung läßt sich so nicht ausschließen. Ältere Patienten haben ein höheres Risiko NSAR-bedingter Schäden an Magen-Darm-Trakt und Nieren. In ei-ner sechswöchigen Untersuchung treten unter der höheren Meloxicam-Dosis (täglich 15 mg) gleich häufig Magen-Darm-Störungen auf wie unter 20 mg des strukturverwandten Piroxicam (FELDEN u.a.; 21% vs. 23%),9 einem auffällig komplikationsträchtigen Antirheumatikum (a-t 10 [1994], 94).

FAZIT: Als "bevorzugter Cox-2-Hemmer" soll das neue Oxicam-Antirheumatikum Meloxicam (MOBEC) den Magen schonen – ein Anspruch, der regelmäßig für neueingeführte Rheumamittel erhoben wird (vgl. Tabelle). Aus den wenigen veröffentlichten Daten können wir keine ernstzunehmenden Belege für einen klinischen Vorteil gegenüber Vergleichspräparaten ableiten.


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