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Nebenwirkungen

HERZKLAPPENSCHÄDEN
AUCH UNTER APPETITHEMMER-KOMBINATION

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA dokumentiert 33 Berichte über Veränderungen und Funktionsstörungen von Herzklappen bei Frauen, die wegen Übergewichts die Appetithemmer Fenfluramin (PONDERAX) plus Phentermin (z.B. FASTIN [USA]) im Mittel zehn (1 bis 28) Monate eingenommen haben. Aorten-, Mitral- und Trikuspidalklappe sind häufig gleichzeitig betroffen. Jede zweite Frau leidet zudem an Lungenhochdruck - eine weitere lebensbedrohliche Schadwirkung von Appetithemmern (a-t 10 [1996, 104; 9 [1995], 90). Die Schwere der Herzklappenschäden erfordert bislang bei sechs Patientinnen eine Operation.1

Nach einem demnächst im New England Journal of Medicine erscheinenden Bericht über 24 Betroffene sind bei allen klinische Zeichen der Herzinsuffizienz wie Atemnot oder Ödeme sowie bei den meisten ein neu aufgetretenes Herzgeräusch aufgefallen. Teilweise schreitet die Erkrankung trotz Absetzen der Mittel fort.2

Histologisch ähneln die Veränderungen der Klappenerkrankung vom fibrotischen Typ, wie sie unter Serotonin-strukturverwandten, vom Mutterkorn abgeleiteten Migränemitteln wie Ergotamin (MIGREXA u.a.) sowie beim Karzinoid-Syndrom beobachtet werden (siehe oben).1 Fenfluramin und Phentermin könnten die Schädigung auslösen, indem sie die Konzentration des zirkulierenden Serotonins erhöhen.2

Dosis und Dauer der Einnahme scheinen keine Rolle zu spielen. Offen bleibt auch, ob die Schädigung einem der beiden Appetithemmer allein, der Kombination oder anderen Faktoren anzulasten ist.3 Innerhalb der Europäischen Gemeinschaft ist eine Kombinationstherapie mit Abmagerungsmitteln unzulässig.4 Auch in den USA sind Fenfluramin und Phentermin nur einzeln, nicht jedoch als Kombination, zur kurzzeitigen medikamentösen Unterstützung einer Diät zugelassen, werden jedoch oft zusammen als "Fen-Phen" empfohlen.5 In Deutschland ist Phentermin (früher MIRAPRONT) seit Anfang der 70er Jahre wegen des besonderen Risikos der pulmonalen Hypertonie (a-t 6 [1971], 34) nicht mehr im Handel, wird manchmal aber noch als ADIPEX u.a. beispielsweise aus Österreich oder der Schweiz importiert.


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