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Wie viele Tage nach Geschlechtsverkehr wirkt die postkoitale Empfängnisverhütung? Unkenntnis und zeitliche Einschränkungen behindern die Anwendung der postkoitalen Empfängnisverhütung. So soll TETRAGYNON, die mit jährlich 200.000 Packungen in Deutschland hierfür meist verordnete Östrogen-Gestagen-Kombination, innerhalb von 48 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Schering begründet dies mit der dadurch gewährleisteten hohen Erfolgssicherheit, unabhängig von Zyklustag und Ovulationstermin (Schreiben vom 23. Juli 1998) und bezieht sich auf Daten des von Pro Familia initiierten Morning-after-Service-Programms aus den 80-er Jahren. Firmenunabhängig werden jedoch 72 Stunden als Zeitraum genannt (GLASIER, A.: N. Engl. J. Med. 337 [1997], 1058). Wird die Hormonkombination 24 Stunden, 48 Stunden oder 72 Stunden nach Geschlechtsverkehr eingenommen, finden sich ähnliche Versagerraten (TRUSSELL, J. et al.: Obstet. Gynecol. 88 [1996], 150). Unter der Voraussetzung, dass der Geschlechtsverkehr bereits zwei Tage vor der Ovulation stattgefunden hat, wird die postkoitale Kontrazeption sogar noch innerhalb von bis zu sechs Tagen für wirksam erachtet (GROU, F., I. RODRIGUES: Am. J. Obstet. Gynecol. 171 [1994], 1529). Die Erfolgsraten der postkoitalen Verhütung sind, wie bereits früher berichtet (a-t 9 [1991], 77), insgesamt dürftig. Sie liegen nach einer aktuellen Metaanalyse zwischen 55% und 94% (TRUSSELL, J. et al.: Fam. Plann. Perspect. 28 [1996], 58). Für Frauen, die entweder schon eine Schwangerschaft abgebrochen oder bereits Erfahrung mit postkoitaler Empfängnisverhütung haben, kann die prophylaktische Verordnung in Erwägung gezogen werden. Sie nutzen dann häufiger diese Option als Frauen, die lediglich im Gespräch auf postkoitale Empfängnisverhütung hingewiesen wurden (GLASIER, A., D. BAIRD: N. Engl. J. Med. 339 [1998], 1).


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