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Vom Raucher zum Ex-Raucher: "Hören Sie auf zu rauchen!" - Dies kann nicht oft genug gesagt werden. Rauchen ist die bedeutendste beeinflussbare Ursache von Krankheit insgesamt in westlichen Industrienationen. Dabei weisen Maßnahmen zur Raucherentwöhnung gegenüber vielen anderen medizinischen Interventionen ein vergleichsweise günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis auf. Eine neuere britische Leitlinie sowie eine US-amerikanische Übersicht geben Empfehlungen zu Behandlungsstrategien und beschreiben den Stellenwert der Nikotinersatztherapie (RAW, M. et al.: Brit. Med. J. 318 [1999], 182; HUGHES, J. R. et. al.: J. Am. Med. Ass. 281 [1999], 72). Vier Schritte sollen Rauchern helfen, zu Ex-Rauchern zu werden. Erstens: Bei jedem Patientenkontakt nach Rauchgewohnheiten fragen. Zweitens: Alle Raucher motivieren aufzuhören. Drittens: Motivierte Raucher unterstützen. Viertens: Im Verlauf der Nikotinentwöhnung Kontakt halten, um bei Problemen helfen zu können. Schon ein zehnminütiges Arzt-Patientengespräch soll die Abstinenzrate um 3% erhöhen. Besonders für Raucher, die rückfällig werden, empfiehlt sich ein spezielles Entwöhnungsprogramm, üblicherweise Gruppentherapie und Medikamente. Nikotin-Substitution über acht Wochen ist vor allem in Verbindung mit psychosozialen Maßnahmen sowie bei stärkeren Rauchern (über 15 Zigaretten pro Tag) effektiv. Aber auch in Verbindung mit kurzfristiger hausärztlicher Intervention verdoppelt sich die Rate der Patienten, die ein halbes bis ein Jahr danach noch abstinent sind, von etwa 5% auf 10%. Dabei scheint die Art der Anwendung - beispielsweise Nikotin-Kaugummi (NICORETTE u.a.), Nasenspray (NICORETTE) oder Pflaster (NICOTINELL TTS u.a.) - die Wirksamkeit nicht zu beeinflussen. Allerdings sind sie nicht in kontrollierten Studien gegeneinander geprüft. Die Wahl der Ersatztherapie wird am besten vom Störwirkungsprofil und den Vorlieben der Patienten abhängig gemacht. Kombinationstherapie erhöht die Effektivität. In einer Langzeitstudie sind nach fünfmonatiger Basisversorgung mit Nikotinpflaster und bedarfsweisem Gebrauch von Nasenspray bei Rauchverlangen in den ersten zwölf Monaten fast doppelt so viele Raucher nach sechs Jahren abstinent (16% vs. 9%) wie unter alleinigem Gebrauch von Pflastern (BLONDAL, T. et al.: Brit. Med. J. 318 [1999], 285). Auch Bupropion (ZYBAN [USA]), ein atypisches Antidepressivum, das in den USA zur Raucherentwöhnung zugelassen ist, wirkt nicht besser als Nikotin. Nach Auffassung der amerikanischen Autoren verwirken Ärzte, die ihre Patienten nicht zur Aufgabe des Rauchens motivieren, die Aufnahme in den virtuellen "good doctor's club", -Red.


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