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Schwere Hautschäden nach Muskelrelaxans Tetrazepam (MUSARIL u.a.): Etwa zwei Wochen nach siebentägiger Einnahme von Tetrazepam (MYOSPASMAL u.a.) gegen Muskelverspannungen erkrankt eine 56-jährige Frau lebensbedrohlich an Erythema exsudativum multiforme (NETZWERK-Bericht 9964). Bei einem weiteren Patienten ist auch die Mundschleimhaut beteiligt, die Fußnägel lösen sich ab (6360). Bei einem 32- jährigen Mann mit Bandscheibbenprolaps geht ein allergisches Exanthem in eine akral be-tonte exfoliative Dermatitis über (3406). Die Rote Liste 1999 nennt für neun der 17 aufgeführten Tetrazepam-Präparate "schwere Hautreaktionen" als Nebenwirkung. Vier Anbieter führen Erythema exsudativum multiforme, STEVENS-JOHNSON-Syndrom bzw. LYELL-Syndrom auf. Etwa die Hälfte beschränkt sich auf den für Benzodiazepine geltenden Hinweis auf Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut. Als 1996 das Muskelrelaxans Chlormezanon (MUSKEL TRANCOPAL u.a.) wegen schwerer Hautschäden weltweit vom Markt genommen wurde (a-t 11 [1996], 115), propagierten Sanofi Winthrop und andere Anbieter Tetrazepam als Alternative. Schon damals bevorzugten wir das preiswerte Standardbenzodiazepin Diazepam (TRANQUASE u.a.; a-t 12 [1996], 122). Im Dokumentationszentrum schwerer Hautreaktionen in Freiburg sind 6 Patienten mit STEVENS- JOHNSON- oder LYELL-Syndrom in Verbindung mit Tetrazepam erfasst, 22 Ereignisse zu Chlormezanon. Unter Berücksichtigung der Verordnungshäufigkeit wird für Chlormezanon eine Inzidenz von 0,04 bis 0,56 und für Tetrazepam von 0,04 bis 0,09 pro 1 Million Tagesdosierungen errechnet (MOCKENHAUPT, M. et al.: Arch. Dermatol. Res. 289 [1997], P 173). Unter Berücksichtigung einer Dunkelziffer nicht berichteter Ereignisse dürften zehnfach höhere Raten realistisch sein, -Red.


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