Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
arznei-telegramm®Die unabhängige Information zur Arzneitherapie.
Bestellen Sie ein Probeabo
vorheriger Artikela-t 1999; Nr. 11: 117nächster Artikel
Therapieempfehung

INTENSIVIERTE HOCHDRUCKBEHANDLUNG
SENKT STERBLICHKEIT BEI DIABETES

Chronische innere Erkrankungen lassen sich auf Dauer nur erfolgreich behandeln, wenn die Patienten aktiv bei der Therapie mitwirken. In einer Langzeitstudie prüfen Düsseldorfer Diabetologen den Nutzen eines strukturierten Schulungs- und Behandlungsprogramms für Hypertonie* im Vergleich mit herkömmlicher Hochdrucktherapie. 91 Patienten, im Mittel 36 Jahre alt, mit durchschnittlich 20 Jahre bestehendem Typ-1-Diabetes und diabetischer Nephropathie, Retinopathie sowie Hypertonie nehmen an der Studie teil. Die Autoren entscheiden sich gegen eine Randomisierung, die sie als unethisch erachten. Die Zuteilung zu den Studienarmen richtet sich daher hauptsächlich nach der Entfernung des Wohnorts vom Behandlungszentrum. Die Gruppen unterscheiden sich in Hinblick auf Diabetesdauer und Blutdruck, jeweils zu ungunsten der Interventionsgruppe. Nachdem in Fünfjahres- Zwischenergebnissen eine geringere Sterblichkeit in dieser Gruppe deutlich wird, werden auch Patienten der Kontrollgruppe zur Teilnahme am Schulungsprogramm aufgefordert.1

KONZEPT: In vier Unterrichtseinheiten2,3 erfahren die Teilnehmer, was Bluthochdruck ist, welche Gefahren unbehandelter Hochdruck birgt und welche nicht-medikamentösen und medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Sie lernen, den Blutdruck selbst korrekt zu messen. Mögliche unerwünschte Wirkungen der Hochdruckmittel einschließlich der häufig befürchteten Potenzstörungen werden besprochen und Therapieentscheidungen in Absprache mit den Patienten getroffen. Bei guter Einstellung sollen sie zweimal pro Woche den Blutdruck messen, der vor der Medikamenteneinnahme unter 140/90 mmHg liegen soll. Die Patienten lernen außerdem, bei Schwankungen Dosis und Einnahmezeit der Hochdruckmittel selbständig zu variieren.

KLINISCHER NUTZEN: Innerhalb von zehn Jahren sterben unter herkömmlicher antihypertensiver Therapie 22 (48%) Patienten, dreimal mehr als unter intensivierter Behandlung (7 [16%]). Am häufigsten sind kardiale Todesursachen. Dialyse (24% versus 39%) und Amputationen (7% vs. 19%) werden in der Interventionsgruppe seltener erforderlich. Weniger Patienten erblinden auf einem oder beiden Augen (11% vs. 21%). Unabhängig von der Studiengruppe steigt mit höherem Blutdruck auch die Sterblichkeit. Die Art des Antihypertensivums scheint dagegen keine Rolle zu spielen.1 Die Studie ist allerdings zu klein, um einen Unterschied ausschließen zu können. Sie geht aber mit dem Hochdruckarm der UKPDS** konform, in dem sich Captopril (TENSOBON u.a.) und Atenolol (TENORMIN u.a.) ähnlich günstig auswirken (a-t 10 [1998], 88).

FAZIT: Die Mortalität von Patienten mit diabetischer Nephropathie ist unter Routinetherapie nach wie vor hoch. Intensivierte Hochdruckbehandlung unter aktiver Mitwirkung geschulter Patienten senkt die Sterblichkeit in einer kontrollierten, allerdings nicht randomisierten Studie innerhalb von zehn Jahren auf ein Drittel (16% versus 48%). 11% bis 15% der Patienten bewahrt die intensivierte Behandlung in dieser Zeit vor Dialyse, Amputation oder Erblindung.

1

TROCHA, A. K. et al: J. Hypertens. 17 (1999), 1497

2

WEYER, C., P. T. SAWICKI: Diab. Stoffw. 7 (1998), 49

3

SAWICKI, P. T. et al.: Dtsch. Ärztebl. 90 (1993), C-1130

4

SAWICKI, P. T.: pers. Mitteilung

*

Heute das offizielle Patientenschulungsprogramm der Deutschen Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdrucks e.V. Informationen zum Schulungsprogramm unter2,3. Die Hochdruckliga und das Zentralinstitut der kassenärztlichen Versorgung bieten das Programm allerdings in modifizierter Form an. So ist z.B. die Adaptation der Arzneimitteldosis durch die Patienten selbst nicht vorgesehen.4

**

UKPDS = United Kingdom Prospective Diabetes Study


© 1999 arznei-telegramm

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.

vorheriger Artikela-t 1999; Nr. 11: 117nächster Artikel