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Ginsengwurzelextrakt (GINSANA u. a.) - Risiken, aber kein Nutzenbeleg? Ginseng ist so beliebt, dass weltweit mehr verkauft als angebaut wird. Der Mangel an Nachschub wird zum Teil mit Fälschungen überbrückt (GANZER, B. M.: Pharm. Ztg. 139 [1994], 2158). In 6 (12%) von 50 Präparaten aus 11 Ländern ließen sich vor einigen Jahren keine Ginsengbestandteile nachweisen (CUI, J. et al.: Lancet 344 [1994], 134). Der Mythos als Allheilmittel (Panacea) schlägt sich im Namen der Pflanze nieder: Panax ginseng. Hierzulande werden Extrakte der Ginsengwurzel vor allem zur allgemeinen Stärkung und in der Rekonvaleszenz (z.B. GINSANA), bei Alterserscheinungen (z.B. GINTEC GINSENG) oder zur Stärkung körpereigener Abwehrkräfte (z.B. TAI GINSENG) angeboten. Auch blutdrucksenkende oder krebsverhindernde Wirkungen werden propagiert. In einer systematischen Übersicht aller aufgefundenen 16 randomisierten, doppelblinden Studien überprüfen britische Autoren die wissenschaftliche Basis derartiger Behauptungen. Anhand der Datenlage lässt sich nicht nachweisen, dass Ginseng die körperliche oder geistige Leistungskraft insbesondere bei älteren Personen klinisch relevant fördert. Zu immunstimulierenden Wirkungen liegen lediglich Daten zu Surrogatparametern vor, die zudem widersprüchlich sind (VOGLER, B. K. et al.: Eur. J. Clin. Pharmacol. 55 [1999], 567). Während der klinische Nutzen nicht ausreichend belegt ist, gibt es zahlreiche Hinweise auf unerwünschte Effekte. Durchfall, Hautreaktionen bis hin zum lebensbedrohlichen STEVENS-JOHNSON-Syndrom, Bluthochdruck, östrogenartige Wirkungen sowie psychische Veränderungen einschließlich eines Missbrauch-Syndroms sind beschrieben (SCHÖNHÖFER, P. S.: intern. praxis 39 [1999], 905).


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