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Sonnenbad mit Lichtschutz paradox? Lichtschutzmittel sollen vor Sonnenbrand, vorzeitiger Hautalterung und Hautkrebs schützen. Der Nutzen schwindet oder kehrt sich ins Gegenteil, wenn Lichtschutzmittel dazu dienen, sich möglichst lange der Sonne auszusetzen (a-t 1996; Nr. 7: 65; 1999; Nr. 2: 27). Die heute üblichen Cremes, Öle oder neuerdings Sprays mit Lichtschutzfaktoren von 15 und mehr sollen die Zeit des Sonnenbades bis zum Auftreten eines Erythems durch UV-B-Strahlung um ein Vielfaches verlängern. Die europaweit übliche COLIPA-Bestimmungsmethode geht allerdings von der praxisfernen Annahme aus, dass 2 mg Wirkstoff pro cm² Haut aufgetragen werden. Realistisch ist eine Menge von 0,5 bis 1,3 mg/cm². Richten sich Verbraucher nach dem angegebenen Lichtschutzfaktor oder vergessen, einzelne Hautpartien einzucremen, ist Sonnenbrand die Folge. Tatsächlich berichten Personen, die Lichtschutzmittel verwenden, häufiger über Sonnenbrand als solche, die selten oder nie Sonnencreme auftragen. Zudem ist ungeklärt, ob Sonnenhungrige auch bei häufigen suberythemalen Mengen von UV-Licht ein erhöhtes Risiko von Hauttumoren tragen. Eine allgemein gültige Messmethode für den Schutz vor der in tiefere Hautschichten eindringenden UV-A-Strahlung existiert bislang nicht. Somit ist nach wie vor jedem Mitteleuropäer, insbesondere Kindern, zu empfehlen, bei intensiver Sonneneinstrahlung zusätzlich zum Gebrauch von Lichtschutzmitteln mit hohem Schutzfaktor und UV-A-Filtern sonnenexponierte Körperpartien wie Gesicht, Nacken oder Schultern mit Sonnenhut zu schützen bzw. mit Kleidung zu bedecken und möglichst häufig den Schatten aufzusuchen, vor allem in den Mittagsstunden (DIFFEY, B.: BMJ 2000; 320: 176-7, AUTIER, P. et al.: BMJ 2000; 320: 1274-5, KINDL, G.: Pharm. Ztg. 2000; 145: 1685-90/ati d).

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