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Korrespondenz

ÖSTROGEN-EXTERNA ZUR BEHANDLUNG DER PHIMOSE?

Liegen Erfahrungen bzgl. Behandlung von Vorhautverengungen bei Kindern mit OVESTIN Creme vor, die mit Hilfe einer Nasensalbentülle täglich appliziert wird? ... Sind vor allem die Risiken einer mehrjährigen Behandlung bekannt ... ?

E. GAWEHNS-DRZENSKI (Apothekerin)
D-33739 Bielefeld

In den ersten drei Lebensjahren ist eine verengte Vorhaut, die sich nicht über die Glans penis zurückziehen lässt, physiologisch. Bei einigen Kindern kann die physiologische Phimose offenbar bis ins Schulalter fortbestehen.1 Handlungsbedarf besteht nur bei Komplikationen wie Harnabflussstörungen oder rezidivierenden Infektionen. Als Therapie der Wahl gilt dann die Zirkumzision. Die Indikation ist streng zu stellen.

Die lokale Behandlung mit einem Östrogen-Externum (z.B. OVESTIN Creme) entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage: Kontrollierte klinische Studien fehlen. Mit systemischen Effekten des im Genitalbereich gut absorbierbaren Östrogens ist zu rechnen. In den beiden publizierten unkontrollierten Untersuchungen mit 30 und 15 Jungen kommt es bei je einem der Kinder (3% bzw. 6%) nach bis zu achtwöchiger Anwendung zu Gynäkomastie.2,3 Langzeitauswirkungen sind nicht bekannt. Wir raten von der bedenklichen Methode ab. Auch für die in der internationalen Literatur diskutierte Kurzzeittherapie mit einem Kortikosteroid-Externum fehlen hinreichende Nutzenbelege, -Red.

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