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Standortbestimmung - ASS (ASPIRIN u.a.) zur Primärprävention des Herzinfarktes: Ein Nutzen von Azetylsalizylsäure (ASS; ASPIRIN u.a.) zur Primärprävention der koronaren Herzkrankheit wird seit Jahren diskutiert. In einer älteren amerikanischen Studie mit Ärzten nehmen nicht-tödliche Herzinfarkte um 40% ab (Physician's Health Study: N. Engl. J. Med. 1989; 321: 129-35). Die Befunde stehen im Widerspruch zu einer britischen Studie aus dem Jahr zuvor (PETO, R. et al.: BMJ 1988; 296: 313-6). In beiden Untersuchungen fällt eine Zunahme hämorrhagischer Hirninsulte auf. Wegen der unklaren Nutzen-Schaden-Relation fand die Primärprävention mit ASS keinen Eingang in die Routine. Eine Folgestudie bietet Hinweise für einen Nutzen von täglich 75 mg des Salizylats bei Männern mit besonderen Risiken (Raucher, erhöhtes Cholesterin, positive Familienanamnese, Übergewicht u.a.): Pro 1.000 Behandlungsjahre lassen sich zwei bis drei koronare Ereignisse verhindern, nicht jedoch tödliche Infarkte. In der Summe bleiben Hirninsulte zwar unbeeinflusst, einer Abnahme ischämischer steht jedoch eine Zunahme hämorrhagischer Insulte gegenüber (Thrombosis Prevention Trial, MEADE, T.W. et al.: Lancet 1998; 351: 233-41). Die Daten werden jetzt einer weiteren, nicht vorgeplanten Auswertung unterzogen. Danach profitieren nur Patienten mit Blutdruckwerten unter 145 mmHg systolisch. ASS verhindert hier drei bis vier koronare Ereignisse und ein bis zwei Hirninsulte pro 1.000 Behandlungsjahre. Bei höheren Blutdruckwerten bleibt das Salizylat dagegen ohne Nutzen, die Rate hämorrhagischer Insulte nimmt sogar zu (MEADE, T.W. et al.: BMJ 2000; 321: 13-7). Auch diese Nachauswertung kann den therapeutischen Stellenwert von ASS in der Primärprophylaxe nicht klären. Bei Patienten mit Hypertonie muss davon abgeraten werden. Dagegen könnte sich ASS bei normalem Blutdruck als geeignete Prophylaxe erweisen. Weitere Studien sind erforderlich, -Red.

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