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Korrespondenz

KEINE DICLOFENAC (VOLTAREN U.A.)-KORTIKOID-INJEKTIONEN

...Sehe ich mir mein kollegiales Umfeld an, so frönt man dort - besonders im Sonntagsdienst - den i.m.-Wasserspielen, zumeist in der Kombination Diclofenac (VOLTAREN u.a.) plus Dexamethason (FORTECORTIN u.a.). Man erzielt damit zur Freude der Patienten rasche und beeindruckende Analgesie-Effekte. Erscheint der Patient nach einigen Tagen wieder bei mir, um sich seine "Diclo-Dexa" (dieser Terminus ist in der Patientensprache bereits etabliert) abzuholen, ist ihm eine Peroralmedikation schwer zu vermitteln... Ist diese Kombination wieder erlaubt?

N. N. (Name und Anschrift der Redaktion bekannt)

Nein! Selbst die parenterale Injektion eines reinen nichtsteroidalen Antirheumatikums (NSAR) wie Diclofenac (VOLTAREN u.a.) ist nur einmal zu Behandlungsbeginn zulässig. Die Packungen dürfen daher - abgesehen von Klinikpackungen - nur eine Ampulle enthalten. Das höhere Risiko lebensbedrohlicher Anaphylaxien und pseudoallergischer Schockzustände sowie von Gewebsschäden am Injektionsort, Abzessbildung, Nervenschäden und der oft tödlichen nekrotisierenden Fasziitis wird nicht durch einen relevanten Vorteil bei Wirkeintritt und -stärke im Vergleich zur Einnahme per os aufgewogen (a-t 1997; Nr. 8: 87, 1999; Nr. 6: 65).

Fixkombinationen vom Typ NSAR plus Kortikoid wurde bereits vor 15 Jahren die Zulassung entzogen. Damals war die "Tübinger Bombe" (Butazon + Kortikoid; in Österreich noch als AMBENE im Handel) verbreitet. Durch synergistische Wirkung der Komponenten werden auch bei kurzzeitiger Anwendung unvertretbar häufig gastrointestinale Blutungen, Ulzera und Perforationen verursacht (a-t 1985; Nr. 1: 8).

Vorsicht: Wer NSAR und Kortikoid in der Spritze mischt, injiziert ein Arzneimittelgemisch, das nicht durch eine Zulassung gedeckt ist. Im Falle eines arzneibedingten Schadens muss die Therapie begründet werden. Dies wird schwer fallen, da die Kombination von der deutschen Bundesoberbehörde wegen ihrer Gefahren verboten wurde, -Red.

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