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Korrespondenz

ORTHOKIN: "BLACK BOX" BEI ARTHROSE?

Liegen Ihnen Daten zur gesicherten Anwendung des in der Behandlung von Arthrosen eingesetzten Präparates ORTHOKIN vor? Ist der beschriebene Wirkmechanismus wissenschaftlich nachvollziehbar, oder dient diese "Therapiemasche"nur dem Pharmaunternehmen und dem Anwender?

Dr. med. F.-U. HORNSTEIN (Internist)
D-40670 Meerbusch-Strümp

Bei ORTHOKIN handelt es sich um ein aus Eigenblut hergestelltes Rezepturarzneimittel. Ein Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist (IL-1-Ra), der im Blut natürlicherweise vorkommen soll, wird nach Herstellerangaben in spezialbehandelten Spritzen um ein Vielfaches vermehrt und im Labor aufbereitet, um anschließend in das arthrotische Gelenk injiziert zu werden.1 Aus den "wissenschaftlichen Informationen" zu ORTHOKIN1 geht jedoch nicht hervor, in welcher Konzentration und Dosis das Produkt verwendet wird.

Der Rezeptorantagonist soll antientzündlich wirken. In der Laienpresse und im Internet wird die "Rezeptur" als Chondroprotektivum bei Arthrose, aber auch bei rheumatoider Arthritis und Bandscheibenvorfall beworben.2,3

Randomisierte kontrollierte Studien zu Nutzen und Risiken der Eigenblutzubereitung gibt es nicht. Die Vertreiber verweisen auf 50.000 wirkungsvolle und angeblich nahezu komplikationslose Anwendungen. Ohne Dokumentation lassen sich die Anwendungsfolgen der intraartikulären Injektion jedoch nicht nachvollziehen. Dies gilt besonders, da noch nicht einmal die Zusammensetzung von ORTHOKIN definiert ist.

Anders als bei Fertigarzneimitteln ist für eine Rezeptur keine Zulassung erforderlich. Folglich werden weder die pharmazeutische Qualität noch die Wirksamkeit oder Unbedenklichkeit von ORTHOKIN durch staatliche Überwachungsstellen geprüft. Eine Behandlung mit 5 bis 8 Injektionen kostet den Patienten mindestens 2.000 DM.

Das obskure Eigenblutpräparat darf nicht verwechselt werden mit Anakinra, einem gentechnisch hergestellten definierten IL-1-Ra-Fertigpräparat zur subkutanen Anwendung, das bei Patienten mit rheumatoider Arthritis erprobt wird und für das in der EU die Zulassung beantragt ist.4

FAZIT: Weder Nutzen noch Risiken, pharmazeutische Qualität oder die Zusammensetzung der Eigenblut-"Rezeptur" ORTHOKIN sind bekannt. Von der ungesicherten, mindestens 2.000 DM teuren Methode raten wir ab.

© 2001 arznei-telegramm

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