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Kurz und bündig

Zur Reperfusionsstrategie nach akutem Infarkt: Die perkutane transluminale koronare Angioplastie (PTCA) geht beim akuten Myokardinfarkt mit höherer Wiedereröffnungsrate der Infarktgefäße und geringerer Sterblichkeit und Reinfarkthäufigkeit einher als die Thrombolyse. Die Einlage eines koronaren Stents vermindert gegenüber alleiniger Angioplastie die Rate der Restenosen und erneuter Eingriffe zur Revaskularisation (JACOBS, A.K.: N. Engl. J. Med. 1999; 341: 2005-6). Wird zusätzlich Abciximab (REOPRO) verwendet, nimmt gegenüber Stent allein die Gesamtrate der Reinfarkte, Notoperationen und Todesfälle weiter ab, vorwiegend durch Reduktion der Notoperationen (MONTALESCOT, G. et al.: N. Engl. J. Med. 2001; 344: 1895-903). In einer randomisierten kontrollierten Studie werden jetzt vier interventionelle Therapiestrategien beim akuten Myokardinfarkt direkt verglichen. Insgesamt 2.082 Patienten erhalten PTCA oder PTCA plus Stent jeweils mit oder ohne Abciximab. Der primäre Endpunkt, eine Kombination aus Tod, Schlaganfall, Reinfarkt oder erneuter Revaskularisation, tritt innerhalb von 30 Tagen nach alleiniger PTCA (8,3%) tendenziell häufiger ein als nach Stentimplantation mit oder ohne Abciximab (4,4% bzw. 5,7%). Im Vergleich zu PTCA mit Abciximab (4,8%) ist der Unterschied signifikant. Nach 6 Monaten ergibt sich beim primären Endpunkt ein deutlicher Vorteil für Stentimplantationen mit oder ohne Abciximab (10,2% bzw. 11,5%) gegenüber einer PTCA ohne Stent mit oder ohne Abciximab (16,5% bzw. 20,0%). Der Vorteil beruht auf seltener erforderlichen erneuten Revaskularisationen. Todesfälle, Reinfarkte und Schlaganfälle werden durch die Stents nicht vermindert. Falls beim akuten Myokardinfarkt eine interventionelle Therapie möglich oder notwendig ist, sollten nach Einschätzung der Autoren die Stentverfahren bevorzugt werden (STONE, G.W. et al.: N. Engl. J. Med. 2002; 346: 957-66). Die Studienergebnisse sind gut vereinbar mit bisherigen Daten. PTCA ohne Glykoprotein IIb/IIIa-Blocker wie Abciximab erscheint allerdings beim akuten Infarkt schon länger nicht mehr vertretbar (THROCKMORTON, D.C.: N. Engl. J. Med. 2001; 344: 1937-9; vgl. at 2001; 32: 68 und 73). Bemerkenswert ist, dass die Stentverfahren weder die Sterblichkeit noch die Reinfarktrate senken. Bei Stentimplantation mit Abciximab liegt die Sterblichkeit nach 30 Tagen (2,7% vs. 1,1%) und 6 Monaten (4,2% vs. 2,5%) in der Tendenz sogar höher als bei PTCA mit Abciximab. Die Autoren weisen auf ähnliche Befunde in früheren Vergleichen von PTCA mit und ohne Stent beim akuten Infarkt hin. Gewisse Vorsicht bei der positiven Interpretation der Studienergebnisse zu Gunsten der Stentverfahren erscheint deshalb angebracht, -Red.

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