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Fortgeschrittenes Prostatakarzinom - Androgensuppression verbessert Erfolge von Radiotherapie: Zur lokalen Kontrolle fortgeschrittener Prostatakarzinome gilt die Bestrahlung als Behandlung der Wahl. Sie verbessert aber das Langzeitüberleben nur unzureichend, vornehmlich wegen späterer Fernmetastasierung. Schon Ende der 80er Jahre wurde versucht, die Ergebnisse durch antiandrogene Therapie zu verbessern. Mehrere kontrollierte Studien lassen einen Überlebensvorteil erkennen. Die soeben berichteten Fünfjahresdaten einer EORTC*-Studie bestätigen dies (BOLLA, M. et al.: Lancet 2002; 360: 103-8). Von 208 Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom leben nach alleiniger Strahlentherapie noch 62%, von 207 mit zusätzlicher Androgensuppression durch den LHRH-Agonisten Goserelin (ZOLADEX; 3,6 mg subkutan alle vier Wochen über drei Jahre) noch 78%. Sowohl lokale Rezidive als auch Fernmetastasen kommen seltener vor als unter alleiniger Strahlentherapie. Die Vorteile lassen sich unabhängig vom anfänglichen Ausbreitungsstadium der Karzinome oder anderen Risikofaktoren nachweisen. Zur optimalen Strategie der Androgensuppression bleiben aber Fragen offen. In der EORTC-Studie wurde die Behandlung mit Goserelin gleichzeitig mit der Bestrahlung begonnen. In den ersten vier Wochen erhielten die Patienten zusätzlich das Antiandrogen Cyproteron (ANDROCUR u.a.), um einer initialen Stimulation der Androgensekretion unter Goserelin entgegenzuwirken (maximale Androgenblockade). In früheren Studien verlängerte eine maximale Androgenblockade mit Goserelin und dem nichtsteroidalen Antiandrogen Flutamid (FUGEREL u.a.) für lediglich drei bis vier Monate das Langzeitüberleben. Es ließ sich jedoch weiter steigern, wenn nach viermonatiger maximaler Androgenblockade zwei Jahre lang mit Goserelin weiter behandelt wurde. Wie lange eine Androgensuppression mit Goserelin nach Bestrahlung notwendig ist, bleibt somit derzeit unklar. Geprüft wird auch, ob eine intermittierende, am Verlauf der PSA-Werte orientierte maximale Androgenblockade einer kontinuierlichen gleichwertig ist und ob die kontinuierliche Blockade eine Bestrahlung ersetzen kann.

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EORTC = European Organisation for Research and Treatment of Cancer

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