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Wie lange noch unnötige Rachentherapeutika? Die Verordnung von Mund- und Rachentherapeutika geht zwar seit einigen Jahren zurück. Von DOBENDAN mit dem Desinfektionsmittel Cetylpyridiniumchlorid wurden 2001 aber immer noch 750.000 Packungen, von DEQUONAL, einer Kombination der Desinfektionsmittel Benzalkonium- und Dequaliniumchlorid, 140.000 Packungen und von DORITHRICIN, einer Kombination aus Lokalantibiotikum, Lokalanästhetikum und einem Desinfektionsmittel, 1,8 Millionen Packungen verkauft (Verordnungen sowie Handverkauf in Apotheken). Dies bedeutet nichts anderes als Geld zum Fenster hinaus zu werfen und zudem noch die Patienten zu gefährden, denn die in den Präparaten enthaltenen Desinfektionsmittel sind ohne hinreichend belegten Nutzen und können allergisierend wirken. Beim medizinischen Personal gehören in Rachentherapeutika enthaltene Desinfektionsmittel wie Benzalkoniumchlorid zu den häufigsten Allergenen (DASCHNER, F. et al.: Am. J. Infect. Contr. 2002; 30: 318-9). Mund- und Rachentherapeutika sind zudem überflüssig, weil sie nur an der Oberfläche wirken können, während sich die wesentliche Infektion in der Tiefe der Gewebe abspielt. Dorthin dringen die Desinfektionsmittel nicht in ausreichender Konzentration vor. Racheninfektionen, hauptsächlich verursacht durch betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A, werden entweder mit Antibiotika behandelt, wenn A-Streptokokken aus dem Rachenabstrich isoliert werden, oder aber nur symptomatisch, z.B. mit Kamillentee oder Kochsalzspülungen (F. DASCHNER).

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