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neue studie: echinacea-extrakt bei erkältung ohne nutzen
 
NEUE STUDIE: ECHINACEA-EXTRAKT BEI ERKÄLTUNG OHNE NUTZEN

Echinacea-Extrakte werden als vorgebliche Stärkung der Körperabwehr zur unterstützenden Behandlung rezidivierender Infekte im Bereich der Atemwege beziehungsweise bei grippeartigen Infekten angeboten. Im Arzneimittelkursbuch stufen wir die als "Immunmodulatoren" (früher als "Immunstimulanzien") bezeichneten Extrakte aus Echinacea purpurea (ECHINACIN u.a.) und Echinacea pallida (ECHINACEA-RATIOPHARM u.a.) als "zweifelhaftes Therapieprinzip" ein (1). Zwar gibt es - überwiegend deutsche - Studien, aus denen ein Effekt von Echinacea auf Erkältungssymptome abgeleitet wird, doch haben "alle bisherigen Studien gravierende Unzulänglichkeiten" wie unzureichende Angaben zur Randomisierung und/oder fehlende objektive Daten zum Ergebnis (2). In einer soeben veröffentlichten randomisierten kontrollierten US-amerikanischen Studie wird an 148 Studenten der Einfluss von Echinacea auf beginnende Erkältungsbeschwerden untersucht. Das Ergebnis ist negativ: Im Vergleich zu Plazebo bleibt ein Effekt von anfangs sechsmal täglich, dann dreimal täglich 1.000 mg Echinacea-Extrakt (je 25% aus Kraut und Wurzel von Echinacea purpurea und 50% aus Wurzel von Echinacea angustifolia) auf Dauer und Schwere der Erkältungssymptome aus (2).

Nach wie vor ist unbekannt, welche Bestandteile von Echinacea zur angeblichen Wirksamkeit beitragen sollen und über welchen Wirkmechanismus Erkältungen beeinflusst werden sollen (3). Einigen Bestandteilen von Echinacea werden immunstimulierende Effekte zugeschrieben. Doch hier warnt die schwedische Arzneimittelbehörde wegen unzureichender Belege für die Sicherheit: Sollte ein immunstimulierender Mechanismus bestehen, ist vor allem bei längerer Einnahme eine Beeinträchtigung des Immunsystems zu befürchten. Echinacea-haltige Präparate dürfen nicht zur Vorbeugung von Erkältungskrankheiten oder Infektionen verwendet werden (4).

Patienten mit systemischen Erkrankungen wie AIDS oder Allergie sollen keine Echinacea-Produkte einnehmen (4). Über die besondere Gefährdung von Atopikern durch schwerwiegende Unverträglichkeitsreaktionen wie Anaphylaxie und akute Asthmaanfälle berichteten wir im November (a-t 2002; 33: 120).

1

"Arzneimittelkursbuch 2002/03", A.V.I. Berlin 2002, Seite 1508-9

2

BARRETT, B.P. et al.: Ann. Intern. Med. 2002; 137: 939-46

3

TURNER, R.B.: Ann. Intern. Med. 2002; 137: 1001-2

4

Scrip 2002; Nr. 2803: 6



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blitz-a-t 17. Dezember 2002

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