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Schleichende Muskelschädigungen durch Statine: Im Laufe der mehrjährigen Einnahme verschiedener CSE-Hemmer und Sartane bemerkt ein Arzt bei sich einen schleichenden Verlust der Muskelkraft im Beckengürtel und den Beinen. Der Kreatinkinase (CK)-Spiegel bleibt immer unauffällig. Als er Treppen nur noch unter Zuhilfenahme der Hände hinaufsteigen kann, setzt er den Lipidsenker ab. In den Folgemonaten verschlechtert sich die Muskelfunktion weiter (NETZWERK-Bericht 12.788). Eine 71-Jährige klagt während mehrwöchiger Einnahme von Lovastatin (MEVACOR) bei normalem CK-Wert über Muskelschwäche, zunächst in den Beinen, dann auch im Schultergürtelbereich. Die Symptome verschwinden nach Absetzen des Lipidsenkers (3.795). Muskelschäden bis hin zur lebensbedrohlichen Rhabdomyolyse sind eine der bekanntesten Schadwirkungen von CSE- Hemmern. Die sich schleichend entwickelnde Muskelschwäche und Muskelschmerzen werden jedoch häufig nicht mit dem Langzeitgebrauch eines CSE-Hemmers in Verbindung gebracht, vor allem, wenn die Muskelschädigung nicht mit erhöhtem Kreatinkinasespiegel einhergeht. Meistens, aber nicht immer, bessern sich die Beschwerden nach Absetzen. Bei Muskelsymptomatik ohne wesentlichen CK-Anstieg sind wöchentliche Kontrolluntersuchungen angezeigt. Vom Verlauf hängt es ab, ob das Statin abgesetzt, die Dosis reduziert oder eine Therapiepause eingelegt werden soll, evtl. mit anschließendem Wechsel auf ein anderes Statin. Liegt der CK-Spiegel über dem Zehnfachen der Norm oder besteht Verdacht auf Myositis, ist der CSE-Hemmer wegen drohender Rhabdomyolyse abzusetzen. Die Patienten müssen wissen, dass sie umgehend ihren Arzt aufsuchen sollen, wenn Muskelschmerzen oder - schwäche auftreten oder der Urin dunkel wird (THOMPSON P.D. et al.: JAMA 2003; 289: 1681-90; PASTERNAK, R. C.: J. Am. Coll. Cardiol. 2002; 40: 567-72).

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