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Ergotamin weiterhin im Handel, aber 700% teurer: Der Coup, mit dem die Firma Merz AKATINOL MEMANTINE vom Markt nahm und als AXURA deutlich teurer erneut vermarktete, war schon bemerkenswert (a-t 2002; 33: 91). Dies stellt Krewel Meuselbach nun in den Schatten: 20 Tabletten ERGO-KRANIT MONO zu 2 mg Ergotamin für 10,23 € werden jetzt durch eine "therapiegerechte" 6er Packung ERGO-KRANIT AKUT zum Preis von 24,80 € ersetzt: Damit steigt der Preis um mehr als 700%. Die Firma begründet dies mit intensivierter Forschung zu der Substanz und hält den Preis "insbesondere in Relation zur Therapie mit Triptanen" für "vertretbar" (Krewel Meuselbach, Schreiben vom 15. Juli 2003). Wir erachten dies als Abzockerei, die "Information" über die Kosten ("bis zu 70% preiswerter als ... Triptanpräparate"; Werbung in Ärzte Ztg. vom 6. Aug. 2003) als Desinformation und die Begründung als nicht akzeptabel: ERGO-KRANIT wird in verschiedenen Ergotamin-haltigen Zusammensetzungen seit 1961 angeboten. Die Firma hat somit seit Jahrzehnten an dem Produkt verdient. Die Anpassung der wissenschaftlichen Daten an den Kenntnisstand gehört zur normalen Produktpflege. Krewel Meuselbach nutzt das jetzt entstandene Monopol bei Ergotamin-Tabletten aus, begünstigt durch die kartellartig überhöhten Preise für Triptane. Um Triptane besser vermarkten zu können, wurde Anfang Juli lanciert, dass Ergotamin im Zuge der Nachzulassung vom Markt verschwunden sei, beispielsweise von Berlin-Chemie in der Werbung für Frovatriptan (ALLEGRO): "Ergotamine ab 1.7.2003 vom Markt - jetzt umsteigen!" (Ärzte Ztg. vom 2. Juli 2003). Auch im redaktionellen Teil behauptet die anzeigenabhängige Ärzte Zeitung fälschlich: "Etwa 250.000 Patienten mit Migräne, die bisher mit Mutterkornalkaloiden behandelt wurden, müssen jetzt andere Medikamente bekommen" (Sommerakademie 2003, Migräne: Ärzte Ztg. vom 15. Juli 2003). Trotz zunehmender Dominanz der Triptane bleibt Ergotamin Mittel der Reserve bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken.

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