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Quacksalberei

INDIANISCHER KRÄUTERTEE BEI KREBS?

In einem Werbeschreiben für einen indianischen Kräutertee werden "unglaubliche Erfolge" in der Vorsorge und in der begleitenden Krebstherapie behauptet. Sogar "Weiterbildungsseminare" werden hierfür angeboten. Gibt es aussagekräftige Studien?

Dr. med. E. SCHREIBER-WEBER (Facharzt für Allgemeinmedizin)
D-32105 Bad Salzuflen
Interessenkonflikt: keiner

Wieder einmal wird für ein Nichtarzneimittel Unglaubliches versprochen (vgl. a-t 2001; 32: 49-50). Unglaubliches vor allem, weil nachvollziehbare klinische Belege für den Nutzen des als "Spezialernährung für Krebspatienten" bezeichneten Produktes fehlen. Der als COD-Teesystem angebotene indianische Kräutertee "aus dem Regenwald" soll auch wirken, wenn die Schulmedizin "nur wenig helfen"1 kann. Als begleitende Krebstherapie soll der Tee bei acht Krebsformen im Endstadium (!) bei 61% der Patienten zu "Wachstumsstillstand" geführt haben, bei 3% zu "totaler Ausheilung". Das nach "20-jähriger Forschung" entwickelte Teesystem - Tee (Zusammensetzung im Werbematerial nicht deklariert) plus Diätplan und Fitnessregime - soll bestehende Resistenzen gegen Zytostatika aufheben und für "Verminderung und Aufhebung der Nebenwirkungen dieser Therapien" sorgen. Gleichzeitig soll es das Immunsystem "auch bei gesunden Menschen bestens" stärken und "hervorragende entgiftende Qualitäten" für Leber, Nieren und Milz besitzen. Solche breiten Versprechungen stufen wir in die Rubrik "Quacksalberei" ein (s. nachfolgenden Artikel). Patienten werden für eine Dose mit 600 g Tee 199 € aus der Tasche gezogen.

Vorsicht: Das Mittel wird auch als "ausgesprochenes Antiallergikum"2 bezeichnet. Unverträglichkeiten wie Hautausschlag, Übelkeit, Kopfschmerz u.a. sollen nicht auf dem Tee, sondern "gerade in der Anfangsphase" auf "zu großen Mengen an mobilisierten Giften" beruhen. Dieses seit Jahrzehnten als falsch erkannte Konzept der angeblich heilsamen "Erstverschlimmerung" gefährdet Patienten, da Unverträglichkeiten gezielt falsch interpretiert werden.

© 2003 arznei-telegramm

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