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das aus für cox-2-hemmer - jetzt auch studie mit celecoxib (celebrex) gestoppt cave kardiovaskuläres risiko der coxibe
 
DAS AUS FÜR COX-2-HEMMER - JETZT AUCH STUDIE MIT CELECOXIB (CELEBREX) GESTOPPT
CAVE KARDIOVASKULÄRES RISIKO DER COXIBE


Die Bilder gleichen sich. Soeben wird - wenige Monate vor Abschluss - die auf drei Jahre angelegte plazebokontrollierte APC (Adenoma Prevention with Celecoxib)-Studie mit rund 2.000 Patienten gestoppt, weil die Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse unter Celecoxib (CELEBREX) signifikant zunimmt (1). Mit der APC-Studie sollte geprüft werden, ob der Cox-2-Hemmer zur Vorbeugung von Kolonpolypen wirksam ist. Erst im September war für MSD die Verdoppelung des kardiovaskulären Risikos in einer entsprechenden Studie Anlass, Rofecoxib (VIOXX) vom Markt zu nehmen (a-t 2004; 35: 117-8). Eine Marktrücknahme von Celecoxib ist offensichtlich noch nicht erfolgt, obwohl die Herz-Kreislauf-Gefährdung (kombinierter Endpunkt: kardiovaskulärer Tod, akuter Herzinfarkt und Schlaganfall) in APC deutlich ist:

Plazebo: 6 Herz-Kreislauf (HK)-Ereignisse
Celecoxib, 2 x tgl. 200 mg: 15 HK-Ereignisse (2,5faches Risiko gegenüber Plazebo)
Celecoxib, 2 x tgl. 400 mg: 20 HK-Ereignisse (3,4faches Risiko gegenüber Plazebo).

Zwei weitere Studien mit Celecoxib (Prevention of Spontaneous Adenomatous Polyps Trial und Alzheimer's Disease Anti-inflammatory Prevention Trial), die in Größe und Dauer mit der APC-Studie vergleichbar sind, laufen weiter, weil bei diesen kein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko aufgefallen sein soll (1).

Bereits die im Jahr 2000 veröffentlichte CLASS-Studie (Celecoxib Long-term Arthritis Safety Study) gibt Hinweise auf eine thrombogene Wirkung von Celecoxib. Aufgrund des Wirkmechanismus ist hinsichtlich der kardiovaskulären Schädlichkeit von einem Gruppeneffekt der Coxibe auszugehen. Wir haben aufgrund der Sicherheitsbedenken und fehlender Vorteile generell von der Verwendung von Cox-2-Hemmern abgeraten (z.B. a-t 2004; 35: 125-6). Auch die Autoren eines im Internet vorveröffentlichten Leserbriefes im New England Journal of Medicine empfehlen jetzt Ärzten, den ebenfalls von Pfizer vertriebenen Cox-2-Hemmer Valdecoxib (BEXTRA) zum "Schutz der Allgemeinheit" nicht mehr zu verordnen (3). Nach einer bislang unveröffentlichten Metaanalyse soll auch Valdecoxib das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen verdoppeln. Der Cox-2-Hemmer wird daher als "Zeitbombe" bezeichnet (a-t 2004; 35; 142). Hinzu kommt, dass Abkömmlinge wie Celecoxib, Parecoxib (DYNASTAT) und Valdecoxib wegen ihrer Sulfonamidstruktur ein zusätzliches Risiko lebensbedrohlicher Hautreaktionen bergen, Valdecoxib möglicherweise stärker als die anderen Coxibe (4).

Spätestens seit Mitte der 90er Jahre ist Firmenmitarbeitern von Merck & Co. (MSD) ein kardiovaskuläres Risikopotenzial von Cox-2-Hemmern bekannt. Es hat aber fast ein Jahrzehnt gedauert, bis die Erkenntnisse umgesetzt wurden und Rofecoxib vom Markt genommen wurde. Weitere Verzögerungen von Risikomaßnahmen für Coxibe sind unter dem Gesichtspunkt des vorbeugenden Verbraucherschutzes nicht mehr akzeptabel. Schließlich ist das Schädigungspotenzial zu eindeutig und zudem für verschiedene Cox-2-Hemmer nahezu identisch. Aus den bisherigen Erfahrungen ist abzuleiten, dass Warnungen sowie Korrekturen an Produktinformationen durch das Marketing unterlaufen werden können und die Verordnungen nicht relevant beeinflussen. Die Marktrücknahme von Celecoxib und den übrigen Cox-2-Hemmern erscheint überfällig.



1

FDA Statement on Halting of a Clinical Trial of the Cox-2 Inhibitor Celebrex, December 17, 2004;
http://www.fda.gov/bbs/topics/news/2004/NEW01144.html

2

FDA Alert for Practitioners Celebrex (celecoxib), 12/17/04,
http://www.fda.gov/cder/drug/infopage/celebrex/celebrex-hcp.pdf

3

RAY, W.A. et al.: N. Engl. J. Med. 2004; 351: 2767 (Erscheinungsdatum 23. Dez. 2004, vorveröffentlicht unter
http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/NEJMc045711)

4

Scrip 2004; Nr. 3004: 24



ALTERNATIVEN FÜR COX-2-HEMMER: Die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA stuft das Risiko schwerer gastrointestinaler Schäden (Perforationen, Ulzera, Blutungen) von Coxiben und nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac (VOLTAREN u.a.) und Ibuprofen (BRUFEN u.a.) als "vergleichbar" ein (1). Aufgrund des hohen Bewährungsgrades empfiehlt sich die Rückumstellung auf solche NSAR, so kurz und so niedrig dosiert wie möglich. Bei Arthroseschmerzen soll vorrangig Parazetamol (BENURON u.a.) versucht werden. Parazetamol plus Kodein (in TALVOSILEN FORTE u.a.) beziehungsweise andere Opioidanalgetika kommen aber auch bei diesen Patienten sowie bei rheumatoider Arthritis als Alternative zu NSAR in Betracht (a-t 2004; 35: 125-6).



1

Coxibe, Abschluss des europäischen Bewertungsverfahrens vom 30. April 2004; zu finden unter
http://www.bfarm.de/de/Arzneimittel/am_sicher/am_sicher_akt/index.php?more=coxibe.php



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blitz-a-t 18. Dezember 2004

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