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Sehstörungen unter Parkinsonmitteln wie Pramipexol (SIFROL) Eine 56-jährige PARKINSON-Patientin berichtet nach dreimonatiger Einnahme von Pramipexol (SIFROL) über Akkommodationsstörungen und sieht zunehmend verschwommen. Dosisreduktion bringt leichte Besserung (NETZWERK-Bericht 13.386). Bei einem 72-Jährigen wird zunehmend verschlechtertes Farbensehen und vorübergehende Diplopie nach Einnahmebeginn und Dosiserhöhung des Dopaminagonisten beschrieben mit Rückbildung nach Absetzen (MÜLLER, T. et al.: J. Neurol. 2003; 250: 101-2). Durch die Grunderkrankung, aber auch als Störwirkung vieler Parkinsonmittel kann das Sehen beeinträchtigt werden (zu finden unter http://www.parkinson-datenbank. de/pa_frame.htm). Dopamin beeinflusst den visuellen Prozess auf verschiedenen Ebenen. So wirkt es unter anderem auf trophische Vorgänge in der Netzhaut (WITKOVSKY, P.: Documenta Ophthal. 2004; 108: 17-40). In Tierversuchen mit (Albino)-Ratten wird laut Fachinformation unter Pramipexol und Ropinirol (REQUIP) Netzhautdegeneration beobachtet. Dies gilt auch für Apomorphin (beschrieben beim ErektionsmittelUPRIMA, jedoch nicht bei APO-GO Pen). Bei der Zulassung von Pramipexol schließt die europäische Arzneimittelbehörde EMEA nicht aus, dass es auch beim Menschen Netzhautdegeneration verursacht. Eine von der EMEA dazu geforderte Sicherheitsstudie ist bislang nicht vollständig veröffentlicht (Boehringer I. GmbH: Schreiben vom 18. Nov. 2004) und somit nicht beurteilbar. In Zulassungsstudien berichten 3% der PARKINSON-Patienten unter Pramipexol über gestörtes Sehen, unter Plazebo 0,4% (EMEA: Europäischer Bewertungsbericht SIFROL, 1997). Unter Primärtherapie mit Ropinirol sind ebenfalls bei 3% der Anwender Veränderungen am Auge dokumentiert (BURKHART, G., KNUDSEN, M.S. [FDA]: Medical Review[s] NDA 20-658 REQUIP [Ropinirole] Part 2 Okt. 1996 http://www.fda. gov/cder/foi/nda/index97.htm). Trotzdem bleiben in den jeweiligen Fachinformationen visuelle Nebenwirkungen unerwähnt. Für Pramipexol empfiehlt die Firma ohne Angabe von Gründen regelmäßige augenärztliche Untersuchungen (Boehringer I.: Fachinformation SIFROL, Stand Nov. 2002). Hinweise auf diese Vorsichtsmaßnahme fehlen bei Ropinirol und Apomorphin.

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