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oseltamivir (tamiflu): verhaltensauffälligkeiten, todesfälle und suizidalität bei kindern?
 
OSELTAMIVIR (TAMIFLU):
VERHALTENSAUFFÄLLIGKEITEN, TODESFÄLLE UND SUIZIDALITÄT BEI KINDERN?


Die europäische Arzneimittelbehörde EMEA berichtet über zwei Suizide in Verbindung mit der Einnahme des Neuraminidasehemmers Oseltamivir (TAMIFLU) (1). Bei den beiden 14 und 17 Jahre alten japanischen Jungen sind bis zur Anwendung keine Verhaltensauffälligkeiten aufgetreten. Nach der ersten Dosis springen sie aus dem Fenster beziehungsweise laufen vor ein Auto (2).

Zeitgleich berichtet die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA von zwölf Todesfällen japanischer Kinder seit Zulassung des Grippemittels, darunter plötzlicher Tod (4 Berichte), Herzkreislaufstillstand (4 Berichte) und Suizid (1 Bericht) (3,4). Bereits im Februar dieses Jahres sind vier Todesfälle von grippekranken japanischen Kleinkindern unter Oseltamivir bekannt geworden (5). Gleichzeitig weist die FDA auf 32 Meldungen zu neurologischen und psychiatrischen Störwirkungen wie Halluzinationen, Verwirrtheit, Krampfanfall und Delir im Zusammenhang mit Oseltamivir hin. Diese erscheinen teilweise bedrohlich: Zwei Jungen springen aus dem zweiten Stock, ein weiterer läuft in selbstgefährdender Weise auf die Straße und muss von den Eltern gerettet werden (4). Es bleibt unklar, warum fast alle Fälle in Japan gemeldet wurden. Dort findet ein Großteil des weltweiten Oseltamivir-Verbrauchs statt. Neben einer Schadwirkung des Neuraminidasehemmers kommen auch eine in Japan offenbar häufiger auftretende Influenza-assoziierte Enzephalopathie oder Induktion psychischer Symptome durch hohes Fieber als Ursachen in Betracht.

Oseltamivir ist hierzulande zur Therapie der Influenza bei Erwachsenen und Kindern ab einem Jahr sowie zur Prophylaxe ab dem 13. Lebensjahr zugelassen (6). Der bisher in klinischen Studien nachgewiesene Nutzen ist begrenzt: Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen können die Symptome einer Influenza um ein bis eineinhalb Tage verkürzt werden. Eine Senkung der Mortalität ist bisher weder für Kinder noch für Risikopatienten belegt (a-t 2005; 36: 62-3).


1

http://www.emea.eu.int/pdfs/general/direct/pr/38501305en.pdf

2

http://www.timesonline.co.uk/article/0,,25149-1872166,00.html

3

http://www.fda.gov/cder/drug/infopage/tamiflu/QA20051117.htm

4

FDA-Memorandum: http://www.fda.gov/ohrms/dockets/ac/05/briefing/2005-4180b_06_07_Tamiflu%20Executive%20Summary_Oct25.pdf

5

HAMA, R.: http://bmj.bmjjournals.com/cgi/eletters/328/7433/227

6

Roche: Fachinformation TAMIFLU, Stand Febr. 2005



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blitz-a-t 18. November 2005

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