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Kurz und bündig

Alendronat (FOSAMAX u.a.) - relevanter Nutzen nach mehr als drei bis vier Jahren nicht belegt: Die optimale Dauer der Therapie der postmenopausalen Osteoporose mit Bisphosphonaten ist nicht bekannt. Nutzenbelege aus randomisierten kontrollierten Studien zur Frakturprävention mit Alendronat (FOSAMAX u.a.) oder Risedronat (ACTONEL) beruhen auf drei- bis vierjähriger Einnahme. In bisherigen Extensionsstudien über längere Zeiträume sind jeweils nur wenige der ursprünglich aufgenommenen Patientinnen lediglich weiter beobachtet worden. Die Ergebnisse können daher verzerrt sein. Da die starke Unterdrückung des Knochenumsatzes durch Bisphosphonate langfristig möglicherweise zu erhöhter Sprödigkeit des Knochens und zur Anhäufung von Mikroschäden führt, besteht dringender Bedarf an der Klärung der Frakturgefährdung der Patienten unter Langzeitanwendung der Mittel im randomisierten kontrollierten Vergleich. Jetzt erscheint erstmals eine Extensionsstudie (FLEX*), in der 1.099 Patientinnen der FIT*-Studie (a-t 1999; Nr. 5: 51) nach durchschnittlich fünfjähriger Einnahme von Alendronat erneut randomisiert werden und entweder weitere fünf Jahre lang Alendronat in einer Dosis von täglich 5 mg oder 10 mg einnehmen oder Plazebo. Das Durchschnittsalter der Frauen ist 73 Jahre. Da sich die Teilnehmerinnen aus beiden FIT-Armen** rekrutieren, können auch Frauen mit niedriger Knochendichte, aber ohne Osteoporose dabei sein. Sehr niedrige Knochendichte ist Ausschlussgrund. Wirbelsinterungen werden zu Beginn der FLEX-Studie bei 34% der Patientinnen festgestellt. Insgesamt 60% haben jenseits des 45. Lebensjahres eine klinisch auffällige Fraktur durchgemacht. Im Verlauf der Untersuchung werden Knochenbrüche zwar prospektiv erfasst, sie sind jedoch nicht primäres Studienziel. Primärer Endpunkt ist die Knochendichte an der Hüfte. Dieser Wert nimmt unter Plazebo signifikant, aber nur geringfügig stärker ab als unter Beibehaltung der Alendronattherapie (um durchschnittlich 3,38% vs. 1,02%). Klinisch auffällige Wirbelbrüche werden unter Alendronat zwar vermindert (2,4% vs. 5,3%; Relatives Risiko [RR] 0,45; 95% Vertrauensbereich [CI] 0,24-0,85; Number needed to treat [NNT] = 172/Jahr), die durch Screening nach 36 und 60 Monaten entdeckten Wirbelsinterungen jedoch nicht (9,8% vs. 11,3%; RR 0,86; 95% CI 0,60-1,22). Die kumulativen Raten nichtvertebraler Frakturen unterscheiden sich mit 18,9% unter Alendronat versus 19% unter Plazebo ebenfalls nicht (RR 1,00; 95% CI 0,76-1,32). Auch schwerwiegende unerwünschte Ereignisse sollen sich nicht unterscheiden. Konkrete Daten dazu fehlen. Kiefernekrosen (a-t 2005; 36: 23-4) werden nicht beobachtet. Ob nichtvertebrale pathologische Frakturen aufgetreten sind, die vom Endpunkt ausgeschlossen waren, die nach einer Serie von Fallberichten jedoch möglicherweise zu den Störwirkungen der Langzeiteinnahme von Alendronat gehören (a-t 2005; 36: 59-60), wird nicht berichtet (BLACK, D.M. et al.: JAMA 2006; 296: 2927-38). Größte Schwäche der Studie ist die Wahl des Surrogatparameters Knochendichte als primärer Endpunkt. Die für Knochenbrüche unzureichend gepowerte FLEX-Studie ist ungeeignet, die Sicherheit der Langzeitanwendung von Alendronat nachzuweisen. Einen relevanten Nutzen lässt die Studie aber ebenfalls nicht erkennen. Angesichts der ungeklärten Langzeitsicherheit sehen wir beim derzeitigen Kenntnisstand keine Indikation für Alendronat jenseits einer Therapiedauer von drei bis vier Jahren, -Red.

*

FIT = Fracture Intervention Trial
FLEX = Fracture Intervention Trial Long-term Extension

**

Die FIT-Studie bestand aus zwei Armen: Am ersten nahmen 2.027 Frauen mit Osteoporose und vorbestehenden Wirbelbrüchen teil. Vom zweiten Arm waren Frauen mit Wirbelbrüchen ausgeschlossen. Die 4.432 Teilnehmerinnen hatten eine erniedrigte Knochendichte, deren Werte bei zwei Dritteln aber oberhalb der von der WHO definierten Grenze für Osteoporose lagen (T-Score -2,5 = Knochendichte mehr als 2,5 Standardabweichungen unter dem Mittelwert von jungen Erwachsenen).

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