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Celecoxib (CELEBREX) und Depression

Ein 65-Jähriger nimmt wegen Kreuzschmerzen den Cox-2-Hemmer Celecoxib (CELEBREX) ein. Er kann daraufhin nicht mehr richtig denken. Nach kurzem Wechsel auf Ibuprofen (IMBUN u.a.) nimmt er wenige Wochen später erneut Celecoxib ein. Während dieser zehntägigen Einnahme ist er "total deprimiert" und suizidal. Er fühlt sich erst nach Absetzen besser (NETZWERK-Bericht 13.462). Ein ähnlicher Bericht betrifft eine 45-jährige Krankenschwester, die Celecoxib wegen rheumatischer Beschwerden einnimmt und eine mehrtägige depressive Phase mit suizidaler Tendenz durchlebt (14.642). Depressionen und Suizid sind bereits während der klinischen Prüfung von Celecoxib aufgefallen. Laut Fachinformation kommt Depression unter dem Cox-2-Hemmer gelegentlich vor (Häufigkeit 0,1% bis 1%; Pfizer: Fachinformation CELEBREX, Stand Febr. 2007). Dies gilt auch für Etoricoxib (ARCOXIA) und Lumiracoxib (PREXIGE). Wenige Jahre nach Markteinführung warnte das australische Nebenwirkungskomitee ADRAC vor akuten neuropsychiatrischen Ereignissen unter Celecoxib. In 142 Berichten zu diesem Symptomenkomplex wurde 18-mal Depression als Störwirkung genannt. Häufig traten die Ereignisse bereits innerhalb eines Tages nach der ersten Dosis auf (Aust. Adv. Drug React. Bull. 2003; 22: 3). Die britische Arzneimittelbehörde MHRA dokumentiert in Verbindung mit Celecoxib 37 Berichte zu Depression, vier zu Suizidalität sowie einen Suizidversuch (zu finden unter http://www.mhra.gov.uk –> Online services). In Deutschland liegen dem BfArM drei Berichte zu Selbsttötungsgedanken unter Celecoxib vor (Schreiben vom 10. Okt. 2007). Ein Hinweis auf potenzielle Suizidalität fehlt in der deutschen Fachinformation. Bei Verdacht auf Depression oder Suizidgedanken unter Cox-2-Hemmern sollten diese abgesetzt und der Verdacht gemeldet werden.

© 2007 arznei-telegramm, publiziert am 9. November 2007

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