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Nochmals - Flupirtin (KATADOLON, TRANCOPAL DOLO) leberschädlich

Bei einer 57-Jährigen steigen nach einwöchiger Einnahme von Flupirtin (KATADOLON, TRANCOPAL DOLO) die Transaminasen stark an (GPT 1.191 U/l, GOT 574 U/l). Die behandelnde Internistin diagnostiziert eine medikamenteninduzierte Hepatose und setzt das von ihr verdächtigte Schmerzmittel sowie den ebenfalls nur wenige Tage lang eingenommenen Cox-2-Hemmer Etoricoxib (ARCOXIA) ab, worauf sich der Patient erholt (NETZWERK-Bericht 14.665). Trotz der seit Markteinführung bestehenden Hinweise auf Lebertoxizität von Flupirtin (a-t 2000; 31: 30) wurde die Begrenzung der Anwendungsdauer von ursprünglich acht Tagen allmählich aufgeweicht. Inzwischen darf das zentral wirkende nichtopioide Analgetikum auch zur Behandlung chronischer Schmerzen, z.B. bei Tumorerkrankungen, eingesetzt werden. Der Verbrauch steigt: In den vergangenen zehn Jahren verzehnfachte sich die Zahl der verordneten Tagesdosierungen auf inzwischen 17,1 Millionen im Jahr 2006 (SCHWABE, U., PAFFRATH, D. [Hrsg.]: "Arzneiverordnungs-Report 1997 bzw. 2007", Springer, Berlin 1997 bzw. 2007, Seite 40 bzw. 246). In der gemeinsamen Datenbank von BfArM und Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) sind 151 Berichte zu Lebererkrankungen in Verbindung mit Flupirtin erfasst, darunter 70 Berichte über Hepatitis und 7 zu Leberversagen. Vier Patienten starben. Die Inzidenz flupirtininduzierter Leberschäden dürfte "möglicherweise unterschätzt" werden (AkdÄ: Dtsch. Ärztebl. 2007; 104: C-2716). Die Empfehlung, das Mittel Patienten mit Lebererkrankung oder Alkoholabusus nicht zu verordnen und bei längerer Anwendung die Leberwerte regelmäßig zu kontrollieren, erscheint uns unzureichend. Für das international wenig gebräuchliche Mittel "können wir keinen definierten Stellenwert in der Schmerztherapie ausmachen" ("Arzneimittelkursbuch 2007/08", A.V.I. GmbH Berlin, 1638-9).

© 2007 arznei-telegramm, publiziert am 7. Dezember 2007

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