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Nebenwirkungen

LEBERSCHÄDEN DURCH HERBALIFE

HERBALIFE-Produkte sollen unter anderem der gesunden Ernährung, Gewichtskontrolle und "gezielten" Nahrungsergänzung dienen. Angaben zu Nebenwirkungen finden wir auf der Firmenhomepage1 nicht. Jetzt berichten Autoren aus Israel und der Schweiz in zwei Fallserien über hepatozelluläre Schäden in Verbindung mit HERBALIFE-Produkten bei insgesamt 22 Patienten. Nach meist mehrmonatiger Anwendung kommt es zu Müdigkeit, Appetit- und Gewichtsverlust, Gelbsucht beziehungsweise Hepatitis.2,3,4 Bei zwei Patienten werden wegen fulminanter Hepatitis Lebertransplantationen erforderlich, die nur einem das Leben retten.

Die Autoren haben die Daten durch gezieltes Nachfragen in Kliniken erhoben. Bei Verdacht auf Leberschädigung durch HERBALIFE werten sie die Krankenakten aus und befragen die Patienten2 bzw. die behandelnden Ärzte3, um andere Ursachen für die Leberschädigung ausschließen zu können. Bei fünf Patienten mit positiver Reexposition bewerten die Untersucher den Zusammenhang zwischen HERBALIFE-Produkten und Leberschädigung als sicher, bei 13 als wahrscheinlich. Bei sieben Personen könnten Vorerkrankungen zum Anstieg der Leberenzyme beigetragen haben. Ein HBsAg-positiver Patient erlitt offenbar eine Reaktivierung einer Hepatitis B mit fulminantem Leberversagen. Auch aus Island kommen Hinweise auf Hepatitis in Verbindung mit HERBALIFE bei sechs Personen.5

Trotz der klaren Zuordnung der Nebenwirkungen zu HERBALIFE bleiben Fragen. Die Patienten konsumierten zwischen 3 und 17 (!) verschiedene HERBALIFE-Produkte, meist gegen Übergewicht. Auf Anfragen der Autoren weigert sich die Firma Herbalife, die Zusammensetzung der Präparate, die möglicherweise international unterschiedlich ist, zu deklarieren. Herbalife ist einer der größten Produzenten von Nahrungsergänzungsmitteln und in 63 Ländern aktiv. Angesichts des Jahresumsatzes von 1,9 Milliarden US-Dollar5 netto im Jahr 2006 könnte die Zahl von 22 Leberschäden gering erscheinen. Von einer erheblichen Dunkelziffer ist jedoch auszugehen: Die israelischen Autoren2 hinterfragten in Kliniken lediglich Ereignisse des Jahres 2004 und die Schweizer Kollegen3 fragten konkret nach "toxischer Hepatitis durch Kräutermittel, insbesondere HERBALIFE", was bereits eine entsprechende Verdachtsdiagnose voraussetzt. Dabei dürfte die Diagnose oft nicht gestellt werden, da Nahrungsergänzungsmittel wie HERBALIFE durch die übliche Medikamentenanamnese oft nicht erfasst werden. Ärzte fragen nicht konkret und insistierend genug nach, und Verbraucher erachten die überwiegend als pflanzlich deklarierten Mittel als "natürlichen" Beitrag zur Ernährung und daher nicht als erwähnenswert. Auch sind die Anwender meist vom Nutzen und der Unbedenklichkeit der Präparate, die sie sich für teures Geld leisten, überzeugt. So nehmen einige nach Abklingen der Leberbeschwerden gegen ärztlichen Rat erneut HERBALIFE-Produkte ein, bei fünf Patienten hat dies erneut eine Leberschädigung zur Folge.

Auffällig ist, dass drei der Betroffenen mit HERBALIFE-Händlern verwandt sind. Dies erscheint symptomatisch für das Vertriebssystem der Produktserie, bei dem die als "Berater" bezeichneten Verkäufer (in der Regel Laien, keine Ernährungsberater) oft selbst Anwender sind, die der Familie und dem Freundeskreis die Produkte andienen und sich im Internet auch schon mal als "Evangelisten" bezeichnen. Sie können weitere Verkäufer anwerben, um selbst in der Provisionshierarchie aufzusteigen (vgl. a-t 1999; Nr. 3: 37). Von den nach Eigenangaben mehr als "1,5 Millionen unabhängigen Vertreibern" haben die meisten nur geringe Umsätze.6 Ein solches mehrschichtiges (########) Vertriebssystem geht in der Regel mit überhöhten Preisen einher.

22 gut dokumentierte Berichte zu Leberschäden in Verbindung mit HERBALIFE-Produkten weisen auf ein leberschädigendes Potenzial der Nahrungsergänzungsmittel hin. Bei Verdacht, auch bei Verschlechterung einer Lebererkrankung, ist sofortiges Absetzen angezeigt.

In Datenbanken wie PubMed oder der Cochrane Library finden wir keine klinischen Studien, die einen Nutzen der HERBALIFE-Produkte belegen.

  1 http://www.herbalifeww.com/de/
  2 ELINAV, E. et al.: J. Hepatol. 2007; 47: 514-20
  3 SCHOEPFER, A.M. et al.: J. Hepatol. 2007; 47: 521-6
  4 STICKEL, F.: J. Hepatol. 2007; 47: 444-6
  5 LEE, I.E.: The Herbalife Hepatitis Club, Iceland Review Online, zu finden mit Google über die Stichwörter: Herbalife Hepatitis Iceland
  6 Herbalife Ltd.: Annual report which provides a comprehensive overview of the company for the past year; Febr. 27, 2007; zu finden im www über Wikipedia –> Herbalife –> Fußnoten

© 2008 arznei-telegramm, publiziert am 18. Januar 2008

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