logo
logo
Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
bildprobeaboDas Rezept, um stets auf dem Laufenden zu sein. Unabhängig informiert durch das arznei-telegramm®.
Bestellen Sie ein Probeabo
vorheriger Artikelblitz-a-t 21.08.2008nächster Artikel
blitz-a-t

LEBENSBEDROHLICHE PANKREATITIS UNTER ANTIDIABETIKUM EXENATIDE (BYETTA)

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA will Warnungen vor Entzündung der Bauchspeicheldrüse unter dem Antidiabetikum Exenatide (BYETTA) verschärfen, nachdem der Behörde sechs Berichte über hämorrhagische und nekrotisierende Pankreatitis zugingen (1). Bereits im Oktober 2007 hatte die FDA vor der akuten Komplikation unter Exenatide gewarnt (a-t 2007; 38: 106). Damals kannte die Behörde 30 Berichte, darunter jedoch keinen über hämorrhagischen oder nekrotisierenden Verlauf (2). Alle sechs Patienten mit den seither bekannt gewordenen schwerwiegenden Pankreatitisformen mussten stationär behandelt werden, zwei Patienten starben (1).

Bei Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenentzündung muss Exenatide sofort abgesetzt werden. Anwender sollen die mögliche Komplikation und ihre charakteristische Symptomatik kennen - anhaltende unter Umständen in den Rücken ausstrahlende starke Bauchschmerzen mit oder ohne Übelkeit oder Erbrechen - und wissen, dass sie bei Auftreten akuter Bauchschmerzen umgehend einen Arzt aufsuchen müssen (1-4).

Exenatide ist ein so genanntes Inkretinmimetikum, ein Analog des humanen Glucagon-like Peptid 1 (GLP-1), das die Insulinsekretion im Pankreas stimuliert (a-t 2007; 38: 43-5). Es wurde ursprünglich im Speichel der giftigen Gila-Krustenechse isoliert. Auch bei Vergiftung mit dem Speichel dieser Echse ist Pankreatitis durch Überstimulierung der Bauchspeicheldrüse beschrieben (3). Unter einem noch nicht zugelassenen GLP-1-Analog ist Pankreatitis ebenfalls aufgetreten. Ein Klasseneffekt wird diskutiert (5).

Ein klinischer Nutzen von Exenatide ist nicht belegt. Angesichts des potenziell lebensbedrohlichen Risikos einer schwerwiegenden Pankreatitis raten wir dringend von der Anwendung ab.

   1FDA: Information for Healthcare Professionals. Exenatide (marketed as Byetta), 18. August 2008
http://www.fda.gov/cder/drug/InfoSheets/HCP/exenatide2008HCP.htm
   2FDA: Information for Healthcare Professionals. Exenatide (marketed as Byetta), Oktober 2007
http://www.fda.gov/cder/drug/InfoSheets/HCP/exenatideHCP.htm
   3FDA: Drug Safety Newsletter 2008; 1: 12-4
http://www.fda.gov/cder/dsn/2008_winter/2008_winter.pdf
   4Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Deutsches Ärzteblatt 2008 105: A409
http://www.akdae.de/20/20/20080222.html
   5HIRSCHLER, B.: Reuters Health Information vom 19. August 2008

© Redaktion arznei-telegramm, blitz-a-t 21. August 2008

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.

vorheriger Artikelblitz-a-t 21.08.2008nächster Artikel