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Toxische epidermale Nekrolyse unter Etoricoxib (ARCOXIA)

Ein 49-Jähriger mit chronischem Lendenwirbelsyndrom und bekannter Diclofenac (VOLTAREN, Generika)-Allergie wird wenige Stunden nach Einnahme des Cox-2-Hemmers Etoricoxib (ARCOXIA) mit Verdacht auf unklare Arzneimittelreaktion stationär aufgenommen. Bereits am nächsten Tag steigen die Leberwerte massiv an. Er entwickelt eine ausgeprägte Stomatitis und Konjunktivitis. Im Gesicht und im oberen Brustbereich beginnen epidermale Nekrolysen, die sich dann auf den ganzen Körper ausbreiten und eine intensivmedizinische Versorgung erfordern. Im Rahmen der zunächst als STEVENS-JOHNSON-Syndrom, dann als Übergang in eine toxische epidermale Nekrolyse eingestuften Erkrankung sind die Augen stark befallen. Erst nach Entfernung einer Pseudomembran kann der Patient sie wieder öffnen (NETZWERK-Bericht 15.003). Die sehr seltenen Hypersensitivitätsreaktionen STEVENS-JOHNSON-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse werden überwiegend als geringere bzw. schwerere Ausprägung derselben Erkrankung betrachtet. Sind mehr als 30% der Haut betroffen, liegt eine toxische epidermale Nekrolyse vor. Sie wird hauptsächlich durch Arzneimittel ausgelöst, vor allem durch Antibiotika, Allopurinol (ZYLORIC, Generika), Antikonvulsiva sowie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) einschließlich Cox-2-Hemmer (ROUJEAU, J.C. et al.: N. Engl. J. Med. 1995; 333: 1600-7). Valdecoxib (BEXTRA) wurde nicht nur wegen kardialer Problematik, sondern auch wegen lebensbedrohlicher Hautschäden vom Markt genommen (a-t 2005; 36: 43), die bereits bei Markteinführung aufgrund der Sulfonamidstruktur zu befürchten waren. Als Risikofaktor für die möglicherweise T-Zell-vermittelten Reaktionen gelten Allergien in der Vorgeschichte. In einer Auswertung britischer Störwirkungsdaten hat einer der vier Patienten mit STEVENS-JOHNSON-Syndrom unter Coxiben zuvor allergisch auf Ibuprofen (AKTREN, Generika) reagiert (LAYTON, D. et al.: Drug Safety 2006; 29: 687-96). Die schwere Hauterkrankung kann innerhalb der ersten drei Tage (YAMANE, Y. et al.: Allergology Int. 2007; 56: 419-25), häufig zwischen 4 bis 28 Tage nach Beginn der Einnahme eines Arzneimittels (MOCKENHAUPT, M. et al.: J. Invest. Dermatol. 2008; 128: 35-44), aber auch noch nach mehr als einjährigem Gebrauch von Cox-2-Hemmern auftreten (LA GRENADE L. et al.: Drug Safety 2005; 28: 917-24).

© 2008 arznei-telegramm, publiziert am 7. November 2008

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