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ZNS-Störungen unter Strontiumranelat (PROTELOS)

Eine 82-jährige Frau mit Osteoporose leidet seit Beginn der insgesamt zweiwöchigen Einnahme von Strontiumranelat (PROTELOS) unter Übelkeit und Bauchschmerzen und entwickelt optische Halluzinationen. Nach Absetzen des Mittels verschwinden die Symptome. Im weiteren Verlauf zeigt sich kein Anhalt auf eine beginnende Demenz oder Psychose (NETZWERK-Bericht 14.831). Eine 73-jährige Anwenderin klagt seit Behandlungsbeginn über Übelkeit sowie bei erhöhtem Blutdruck über unspezifische Brustenge, zunehmende Erregung und Schlaflosigkeit. Nach Absetzen klingen die Beschwerden innerhalb von zwei Tagen ab. Ein zweimaliger positiver Reexpositionsversuch erhärtet den Verdacht auf eine Arzneimittelstörwirkung (14.381). Bereits bei Marktzulassung 2004 wurden Bedenken geäußert, weil in klinischen Studien unter Strontiumranelat gehäuft zentralnervöse Effekte wie Bewusstseinsstörungen, Gedächtnisschwund oder Krampfanfälle aufgefallen waren (a-t 2004; 35: 137-8). Aktuell dokumentiert das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) 108 Verdachtsberichte zu Strontiumranelat, wobei bei jeder vierten Patientin Störungen im Bereich des Zentralnervensystems oder psychiatrische Nebenwirkungen beobachtet werden, darunter Amnesie (n = 6), Verwirrtheit (4) und Halluzinationen (2; BfArM: Schreiben vom 20. Okt. 2008). Da wegen des oft hohen Alters der Anwenderinnen vermehrt mit Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit u.a. zu rechnen ist, werden auftretende zentralnervöse Effekte möglicherweise nicht mit der Medikation in Verbindung gebracht. Ein Absetzversuch kann zur Klärung beitragen.

© 2008 arznei-telegramm, publiziert am 1. Dezember 2008

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